Samstag, 9. Mai 2015

Wilmas Tränen

Ihr Lieben,
diese Woche steht komplett im Zeichen von Hoffen, Bangen und ganz schlimmen Befürchtungen.
Wie Ihr wisst, haben wir ja einen halben Zoo daheim, unter anderem drei Meerschweinchen. Wilma, unsere Oma, hat sich am Tag des Buches bereits mit einer spannenden Lektüre auf Twitter und Facebook vorgestellt:


Seit Dienstag nun hängt ein Schatten auf unserer sonst so fröhlich wuselnden Kleintierbehausung. Wilma, mittlerweile ca. sieben Jahre alt, hatte - so Röntgen und Ultraschall - einen kleinen Blasenstein mit -gries und entsprechend auch eine Blasenentzündung. Aufgrund der Schmerzen hat sie offenbar aufgehört, zu essen. Für Meeris ein Umstand, der innerhalb kürzester Zeit (kürzer als bei anderen Tieren) zum Tod führt. Wer mehr dazu wissen will, kann sich gern bei DieBrain informieren. Ein aufgegaster Bauch ist die Folge. Seit Dienstag also behandeln wir rund um die Uhr und füttern zu. Am Freitag stand erneut röntgen auf dem Programm, der Stein und der Gries sind inzwischen ausgespült. Das ist die gute Nachricht. Die schlechte ist, dass wir den aufgegasten Bauch trotz Spezialmittel und Päppeln nicht weg bekommen. Seit gestern nun versuche ich alle zwei Stunden, Medis und spezielle Aufbaunahrung mit der Spritze ins Mäulchen zu verabreichen, das klappt mal mehr, mal weniger gut. Ich versuche wirklich alles, und heute Morgen sah es so aus, als wenn unsere Oma sich nochmal fängt, auch einige Heuhalme wurden alleine geknabbert. Sei heute Nachmittag jedoch befürchte ich, dass Wilma sich aufgegeben hat. Das passiert bei den kleinen Fellbirnen (danke Barbara für den süßen Ausdruck) sehr schnell. Nichts geht mehr. Das Luxusbüffet wird links liegen gelassen.
Was mich zuvor bereits umgehauen hat - und mich da schon nichts Gutes ahnen ließ - war ein besonderer Vorfall beim vorletzten Zufüttern. Wilma lag im Handtuch eingemummelt bei mir auf dem Schoß, kein Gefiepse, alles ruhig und entspannt. Ich massierte ihr das kleine Bäuchlein ganz vorsichtig, damit der Darm in Bewegung kam (Meeris haben keine eigene Darmtätigkeit, sondern einen Stopfdarm). Plötzlich kullerte ihr aus dem linken Auge ein kleiner Wassertropfen. Ich dachte erst, es sei etwas anderes, und habe es weggewischt. Kurz darauf noch mal.

Da erst habe ich es erkannt - Wilma weinte.

Geistesgegenwärtig, wenn auch geschockt, habe ich das fotografieren können. Das Bild ist nur mit Wasserzeichen, sonst völlig originalbelassen:




Jedem, der jetzt meint, sie habe evtl was im Auge gehabt oder Schmerzen oder sonst was in der Art, dem kann ich versichern, dass dem in diesem Moment nicht so war. Bei Schmerzen hätte sie laut gemeckert und gefiept, aber es war ein vollkommen gelassener, entspannter Zustand. Es waren auch nur diese zwei kleinen Perlchen. Oft wird es berichtet, noch öfter wird es als Fake abgetan, heute habe ich es selbst live erlebt:

Tiere können weinen.

Sie leiden genauso wie wir, auch wenn wir Menschen es manchmal nicht sehen, verstehen oder einfach arrogant ignorieren. Ich befürchte, Wilma hat in diesem Moment einen endgültigen Entschluss gefasst. Seitdem geht nichts mehr. Ich hoffe sehr, dass wir das sanftmütigste Meerschweinchen der Welt nochmal retten können, aber mein Bauchgefühl und das Erlebte lassen diese Hoffnung schwer wie Blei auf den Grund meines Herzens sinken.

Weshalb ich Euch das schreibe - seht nicht weg, wenn ein Tier leidet!
Schreitet ein, wenn Ihr eine schlechte Haltung oder Misshandlung seht, auch wenn es sich bei dem Verantwortlichen um einen guten Freund (?) oder sogar ein Familienmitglied handelt.
Informiert Euch über das Leid in der sogenannten "Nutztierhaltung" und zieht daraus Eure Konsequenzen.
Behandelt unsere vierbeinigen Mitgeschöpfe mit Respekt und Rücksicht, so wie sie es verdienen (ich bin mir sicher, Ihr tut es bereits) und entscheidet auch mal, dass eine Anschaffung nicht in Frage kommt, wenn eine annähernd artgerechte Haltung nicht gewährleistet werden kann.

Und habt die Größe, Euch einzugestehen, wenn eine geliebte Seele nicht mehr länger hier verweilen möchte, um sie dann vor weiteren Schmerzen zu bewahren. Wir warten noch ab, was bis morgen wird.
Sollte es sich nicht bessern, wissen wir, dass es Zeit ist, Wilma gehen zu lassen.
Dann werden wir ihr einen würdigen Abschied schenken.

Das ist der letzte Liebesdienst, den wir Menschen einem treuen Wegbegleiter erweisen können.