Montag, 25. Juli 2011

Rendezvous mit einem Dämon

Eigentlich trau ich michs fast noch nicht, laut zu sagen. Denn wenn meine Vermutung stimmt, dann wäre das für mich schöner, als fünf Tage Halloween am Stück.
Am Wochenende waren mein Freund und ich wieder einmal unterwegs. Für die, die es nicht mitbekommen haben - ja, es gibt wieder jemand ganz Besonderen, nachdem ein erster kleinerer Versuch mit einem entsprechenden Kandidaten mehr oder weniger schmerzhaft in die Hose ging. Übung macht bekannterweise den Meister, also wieder rauf aufs Pferd. Wobei das alles nicht geplant war, aber wann ist es das schon einmal?
Wir beide starteten also in eine Disse im Umkreis, deren Name ich aus gleich folgenden wie nachvollziehbaren Gründen nicht nennen möchte. Dort angekommen, hakte ich mich bei meinem Holden unter, denn 13 cm Absätze und Schotterparkplatz kommen zusammen ungefähr so gut wie Vanilleeis auf Pommes. Wobei, das hab ich schon mal probiert, schmeckt gar nicht schlecht, aber das ist wieder ein anderes Thema. So stolzierten wir in Gruftkleidung erhaben wie zwei Monarchen vor der Erfindung der Guillotine die Stufen zum Tanzsaal empor und drückten uns am Rand der Tanzfläche entlang nach hinten zur lokalen Getränkestation, sprich Bar. Dort angekommen und umgehend mit leckerem Gebräu versorgt, liessen wir unsere Blicke schweifen. Auf einmal fing mein Freund schallen zu lachen an, fasste sich an den Kopf und meinte, das könne wohl nicht wahr sein, da hinten im Eck sei seine Ex. Es sei angemerkt, dass beide bereits seit mehreren Jahren nicht mehr zusammen sind, dass das Ende nicht sehr schön war und beide sich seither trotz gleichem Lokalitätenrevier nie mehr begegnet sind. Doch ausgerechnet heute, in einer Disse mitten am AdW, wo mein Freund und ich miteinander weggehen, laufen wir ihr über den Weg. Natürlich war sie nicht allein, sondern hatte sich mit einigen illustren Persönlichkeiten (alias Reissäcke, denn so war deren Ausstrahlung) umgeben, auch allesamt meinem Freund bekannt. Mir war im Vorfeld schon Einiges über diese Herrschaften angetragen worden, und so entschloss ich mich, alle gepflegt zu ignorieren. Auch, wenns jetzt superarrogant klingt, der gesamte Haufen kann mir nicht mal in 100 Jahren das Wasser reichen. Unsere Ignoranz pflegend, spürten wir den ganzen Abend mindestens 5 Augenpaare auf uns ruhen, und wann immer ich mehr zufällig als absichtlich in deren Richtung blickte, huschten die Köpfe sofort in eine andere Richtung. Auf dem Weg zur Toilette vernahm mein Holder, wie sich zwei Damen aus jener Riege munter bzw. missgünstig über uns unterhielten. Schon klar, würde mir auch stinken, wenn mein Ex und seine neue Biene eine Mordsgaudi auf der Tanzfläche haben, während mein Gefährte den ganzen Abend wie ein nasser Sack in der Ecke hängt.
Nun begab es sich an dem Abend, dass mir mein Freund zu den mir bereits bekannten Geschichten noch eine Anekdote erzählte, die mich so aus den Socken haute, dass alles zu spät war. Näheres möchte ich nicht sagen, da privat, doch geht es grob umrissen um etwas, dass ich persönlich als "Verrat am Partner" betitel. Wie sich Menschen, die sich solcher Praktiken bedienen, morgens noch im Spiegel betrachten können, ohne umgehend kotzen (Verzeihung) zu müssen, ist mir ein Rätsel. Gut, die Geschichte war erzählt, ich hatte mich empört, und weiter ging die Feier. Ein, zwei Lieder später entfernte sich mein Holder gen Tanzfläche, während ich unsere Getränke an der Bar bewachte. Und da passierte es.
Ohne, dass ich damit gerechnet hätte, spürte ich plötzlich, wie er sich bemerkbar machte, gleich einem kalten Winterhauch, der sanft über nackte Haut streichelt. Gänsehaut lief mir die Arme rauf und runter, und ich dachte nur, verdammt was soll das denn jetzt? Dachte ich, die "Anfass-Geschichte" von neulich sei schon ein starkes Stück gewesen, wurde ich in dem Moment eines Besseren belehrt. Ich spürte, wie er sich wie ein Nebel auf mich legte und von meinem Herzen Besitz ergriff. Ja, das hört sich jetzt megameschugge an, aber wartet noch kurz, bevor ihr mir ein weisses Jäckchen mit superlangen Ärmeln verpasst. Eine schier unbändige Wut packte mich, und unsichtbare Hände wollten mich an meinen Schultern vom Barhocker zerren, um schnurstracks Richtung "feindliches Lager" zu marschieren (das mir im wahrsten Sinne des Wortes wirklich wurscht war) und sämtlichen dort anwesenden Charakterschweinen gepflegt die Gesichter zu demolieren. Es erforderte eine immense Anstrengung, mich auf dem Hocker zu halten, und ich kämpfte wie eine Blöde, nicht die Fassung zu verlieren. Wenige Augenblicke später war mein Freund an meiner Seite und fragte sofort, was los sei. Da verschwand der Druck an meinen Armen. Ich erzählte meinem Partner, was soeben passiert bzw. wer soeben da gewesen war. Da meinte er, er habe von der Tanzfläche aus immer wieder zu mir geblickt und eine plötzliche Veränderung in meinem Wesen wahrgenommen, die er sich nicht habe erklären können. Die Körperhaltung habe sich gestrafft und angespannt, das Gesicht habe jegliche Mimik verloren und die Augen wären wie die einer Wildkatze auf Beute fixiert gewesen, kurz bevor sie sich auf sie stürzt. Da habe er sofort die Tanzfläche verlassen, um nach dem Rechten zu sehen. Ergänzenderweise muss ich gestehen, dass mein Freund und er sich bereits kennengelernt hatten. Und das ausgerechnet an unserem ersten Date. Einen besseren Zeitpunkt hatte er sich wirklich nicht aussuchen können. Nur soviel sei gesagt, ich weiss nicht mehr viel von dem Abend. Aber ich muss im wortwörtlichen Sinne einen gewaltigen Eindruck hinterlassen haben. Klar, leicht kränklich, unter Medikamenten stehend, dann noch mit zwei Gin Tonic bestückt, welche Sehende schafft es da noch, ihren Schutzwall aufrecht zu erhalten? Und trotzdem hat mein Freund sich nicht abschrecken lassen. Hat durchgehalten, hat ihm die Stirn geboten. Offenbar scheint das bleibenden Eindruck hinterlassen zu haben.
Es war das erste Mal in unserer Jahre(/hunderte) langen Symbiose, dass er sich für jemand anderen eingesetzt hat. Dass er bereit war, sich in aller Öffentlichkeit für jemanden zu rächen, den er bis vor Kurzem noch nicht gekannt hat. Diejenigen zu verletzen, die selber auf schändlichste und niederträchtigste Weise dem Menschen Leid zugefügt haben, der mir seit Kurzem so unendlich viel bedeutet. Naja, eigentlich wär praktisch betrachtet ich diejenige gewesen, die wie ein rasende Irre auf den Haufen zugestürmt wäre ("Nein, Herr Vorsitzender, das war nicht ich. Ich wurde dazu gezwungen." - Wir wissen ja, wie das aussieht, gell?). Ich sage nur leise danke dafür, dass ich genügend Kontrolle über ihn hatte, und dass mein Freund rechtzeitig zur Stelle war, um mich abzulenken.
Auch, wenn es auf der einen Seite doch bedenklich anmutet, wie er mittlerweile in der Lage ist, mich zu beeinflussen, und wie stark seine Macht geworden ist, umso erstaunlicher ist es auf der anderen Seite, dass er offenbar in meinem neuen Partner jemanden gefunden hat, den er toleriert. Schätzt. Und akzeptiert. Denn auch mein Freund trägt einen Begleiter mit sich herum, wenn auch einen offenbar rangniederen als den meinigen.
Ich hoffe jetzt einfach nur leise, ganz, ganz still und heimlich, endlich jemand gefunden zu haben, bei dem ich keine Angst haben muss, dass er wegen Angst den Gefühlshahn zudreht. Der nicht nur wie manch Anderer klug daherredet und letztlich doch hasenfussfeige flieht, sobald er seine Bekanntschaft macht.
Und der weiss, dass nicht jeder, der mehr von dieser Welt sieht, automatisch in ein Spezialjäckchen gehört.
Denn lange Ärmel, die stehen mir nämlich mal sowas von gar nicht.


Montag, 18. Juli 2011

Fünf Minuten Zeit

Am Samstag steuerten mein Holder und ich gen Münchner Innenstadt, das leckere Suhsi aus der Josephspitalgasse ständig nach uns rufend "Kommt und esst mich!" Na nur zu gerne :)
Auf dem Weg dorthin über die Sendlinger Strasse kamen wir an der sogenannten Asamkirche vorbei. Mein Freund wollte unbedingt mal reingehen und den Wunsch erfüllte ich ihm nur zu gerne.
Ehrlich - ich hab mich wahnsinnig geschämt.
Tagtäglich streunt man durch die Gegend und hat seine Scheuklappen auf, wodurch man gar nicht merkt, was für wunderschöne Dinge einen umgeben. Seit nunmehr fünf Jahren wohne ich in München, bin so oft durch die Sendlinger Straße getigert, aber meint Ihr, ich hätte es einmal geschafft, für fünf Minuten innezuhalten und diese Kirche von innen zu begutachten?
Nö.
Wie peinlich.
Jedenfalls standen wir dann in dieser zugegeben vergleichsweise kleinen Kirche und staunten uns die Augen ausm Kopf. Prunk und Protz, wohin man schaut, überladen ist als Beschreibung noch zu wenig, Gold und Schnörkel im Überfluss. Wir wussten gar nicht, wohin zuerst gucken, in jedem Winkel der Kirche gab es Besonderheiten zu bestaunen, liebevoll im Detail und atemberaubend grazil verarbeitet.
In zwei Wochen werden wir wieder Sushi essen gehen.
Und wieder einen Zwischenstop in der Asamkirche einlegen, um neue Details zu entdecken.
Man nimmt sich im Alltag einfach viel zu wenig Zeit, einen Moment stehen zu bleiben und sich umzuschauen. Überall um uns herum gibt es kleine oder grössere Bauten, die einen ins Staunen versetzen, sofern man sich denn einfach nur mal fünf Minuten Zeit nimmt.
Wir werden das in Zukunft bewusster praktizieren.
Mal schauen, was wir noch entdecken.


Donnerstag, 7. Juli 2011

Vienna Calling


Letztes Wochenende war moi in Wien. Ein guter Freund hatte dort einen Termin und mich spontan gefragt, ob ich ihn nicht von Samstag auf Montag begleiten wolle. Endlich mal raus, was anderes sehen und dazu ein kurzer Streifzug durchs Wiener Nachtleben. Na, da war ich doch dabei.
Samstag Abend verschlug es uns zunächst zu einem leckeren Thailänder und anschliessend in den Club Pi. Leider war nicht besonders viel los, was die Thresendame damit begründete, dass es in den Tagen davor so richtig fett zugegangen war. Das kümmerte uns aber nicht und so tanzten wir zu einer - soviel Kritik muss dann doch sein - wirklich madig schlechten Anlage. Am Sonntag war nicht besonders viel Sightseeing möglich, denn es stürmte und regnete so sehr, dass es uns die Regenschirme umklappte. Dazu eine Kälte, dass wir es vorzogen, uns nach einem stundenlangen Streifzug durch die Cafes (die übrigens keinerlei leckeres Frühstück oder Brunch anboten, was waren wir erstaunt/enttäuscht) doch zurück ins Hotel zu ziehen, um ne Runde Schlaf nachzuholen. Am Abend gings ins Kino und danach noch kurz zu einem leckeren Italiener.
Am Montag dann das genaue Gegenteil vom Wetter am Sonntag - sonnig, warm, wunderbar. Ich holte mir tatsächlich einen Sonnenbrand! Nachdem wir ausgecheckt und das Gepäck am Bahnhof verstaut hatten, ging es nach Schönbrunn. Dort hatten wir, man darfs ja fast nicht laut sagen, einen Disney-Moment. Plötzlich waren wir von lauter Vöglein umgeben, die sich völlig furchtlos auf der Hand meines Begleiters nieder liessen. Ab und zu kreuzte auch ein puscheliges Eichhörnchen unseren Weg. Am Nachmittag musste mein Kumpel dann zu einem kurzen Termin und ich trollte mich durch die Fussgängerzone um den Stephansdom herum. Ein Eis in einer der leckersten Gelaterias Wiens war danach unsere Belohnung.
Insgesamt wars einfach wunderbar. Besonders beeindruckt war ich von Wiens Architektur und den vielen prachtvollen Bauten mit Verzierungen und Stuck, wohin man blickt. Nicht kleckern, klotzen, scheint hier das Motto.
Tja, die Wiener.
Man muss sie einfach lieben.



Mittwoch, 6. Juli 2011

Hallo Universum - Part II

Wie im letzten Post geschrieben, wollte ich Euch ja Bescheid geben, ob das mit den Bestellungen nach oben klappt.
Wenn mans jetzt ganz genau nimmt, dann - ja, verdammt ja.
Der Witz an der Geschichte war, dass ich erst an dem Punkt, an dem es ernst wurde, merkte - hey, eigentlich willste das gar nicht mehr.
Und so wandelte sich die Bestellung innerhalb von Sekunden von A nach B, fühlte sich dabei so richtig gut an und bringt mir jetzt das, was ich mir so lange gewünscht habe.
Frieden.
Zumindest ein wenig.
Bisschen kryptisch?
Joa.
Demnächst mehr an dieser Stelle ;)
Wer weiss, was die nächste Bestellung bringt?