Sonntag, 27. Februar 2011

Von Marmorkuchen- und Kirschtortenmenschen...

Dies ist ein sehr heikles Thema und hätte ich es nicht selber vielfach live und in Farbe erlebt, würde ich es vielleicht nicht unbedingt anpacken, weil es sicher das ein oder andere Spalt-Potential besitzt. Da aber erst gestern wieder bei einer lieben Freundin diese Situation auf den Tisch kam, kann ich mich nicht länger drum herum drücken und schreibe hier einfach mal meine Gedanken auf.
Es gibt tatsächlich Menschen (ich betone - Menschen, denn solche Charaktere findet man sowohl beim Männlein, als auch beim Weiblein), die der Meinung sind, dass das, was das Gegenüber investiert, automatisch Eigentum ist, während eigene Dinge weiterhin nur ihr/ihm selber vorbehalten sind. Frei nach dem Motto "Ich bring nen Marmorkuchen mit und Du ne Kirschtorte, von Deiner Kirschtorte hätte ich gern was, aber meinen Marmorkuchen esse ich alleine."
Macht das mal auf einer Party. Was meint Ihr - ob danach irgendwann nochmal ne Einladung an Euch rausgeht?
Eben.
Gestern ging es um eine Fuhre Likör. Mehrere Flaschen, selbstangesetzt (allein das verdient schon mal Applaus!) und einige wirklich teure Spirituosen. Sämtliche Flaschen samt Inhalt gehören meiner Freundin, denn wer hat sich schließlich die ganze Mühe mit dem Zusammenbrauen gemacht? Als es nun an den Auszug ging (Näheres möchte ich trotz Anonymität aus Rücksicht nicht schreiben, sie ist die Leidtragende), teilte sie sämtliche Flaschen samt Inhalt gerecht auf, da Halbe-Halbe. Hut ab, die Größe muss man erstmal haben in der Situation. Die teuren Stoffe, die sie von ihren Eltern, Verwandten, Freunden usw. geschenkt bekommen hatte, wanderten ungeöffnet in die "Muss mit"-Tüte, da sie - nochmal - alleinig ihr geschenkt worden waren.
Jetzt ratet mal, was gestern nicht mehr in der Tüte war. Und nirgendwo mehr gefunden werden konnte.
Rüschtüsch.
Das war nur ein kleines Beispiel für zahlreiche Dinge, wie sie sich derzeit dort abspielen und wie ich sie im Laufe meines Lebens auch schon so oft erfahren durfte / musste. Man selber gibt den gutmütigen Trottel, macht sogar Zugeständnisse ("Ach okay, dann nimm, wenns Dir soviel bedeutet.") und kriegt am Schluss dafür noch nen Tritt in den Po. Und was für einen. Man meint in dem Moment geradezu, den Fuß im Mund schmecken zu können.
Es ist mir und meiner Freundin schlichtweg unbegreiflich, wie man so handeln kann. Noch dazu, wenn er derjenige ist, der sich zwecks eigener Fremdbegattung aus der Beziehungskiste gelöst hat. Dann noch draufhauen - und nochmal und nochmal! - wegen solcher Kleinigkeiten wie Geschirrtüchern und Feuerzeugen (für maximal nen Euro beim Al.Di zu erwerben), da hört sich doch einfach alles auf. Wie niveaulos geht es denn bitte schön noch? Aber dann den teuren Schnaps klauen / saufen / wegschütten, der nicht mal ihm gehört. Ja sicher, mit fremden Eigentum gehts sich soviel leichter um. Aber wehe, man wird selber mal um was gebeten. Dann sind die Schotten ganz schnell dicht.
Ich war gestern echt am Ende, da die Nacht vorher wieder sehr kurz und der Schlaf sehr holprig war... und eigentlich hatte ich mich auf ein schönes, gemütliches Frühstück gefreut (ich grinse jetzt mal in mich rein...), aber als Punkt 08:15 Uhr der Hilferuf via Gesichtsbuch kam, da war mir klar, oh Mann das wird wieder nix mitm gemächlichen Samstag. Was hätte ich auch tun sollen, sie hängen lassen, wo sie mir selber schon Obdach gewährt hatte? Ja klar.
Also fuhren wir gestern Nachmittag in die Wohnung - praktischerweise konnte ich mit leeren Umzugskisten aufwarten - und kümmerten uns um den verbliebenen Rest, der nächstes Wochenende endgültig mit ausziehen soll. Es war zwar nicht so schlimm, wie erwartet, aber der Stress vor jedem einzelnen Wohnungsbesuch, der hat sie doch arg mitgenommen. Wie gesagt, ich kanns verstehen.
Manche Menschen sind wirklich Meister im Gemeinheiten-einfallen-lassen. Sind ganz groß im Nachtreten, wenn man schon längst mit gebrochener Nase und blutverschmierten Gesicht am seelischen Boden liegt. Diese Menschen kommen in allen Formen und Farben, sind unter beiden Geschlechtern zu finden und können sich relativ geschickt tarnen.
Ich hätte meiner Freundin diesen Terror wirklich gern erspart, ist sie doch ein weitaus zarteres Pflänzchen als ich. Wobei, derzeit verliere ich pro Tag ein halbes Kilo und habe mittlerweile eine Traumfigur, aber was nutzt es, wenn das Gesicht müde aussieht. Dann doch lieber so, wie mir vorgestern gesagt wurde - mit ein paar Pfunden mehr und ohne Kummer, als mit Modelmaßen und dafür traurig. Aber das nur nebenbei.
Nur noch eine Woche. Dann hat sie das Gröbste hinter sich. Dann hoffe ich ein klein wenig egoistisch auch darauf, hier in meiner Bude endlich mal wieder ein wenig mehr Ruhe zu finden, denn seit Wochen gibt es nur selten Abende, an denen ich mal alleine bin. Das hat hier stellenweise was vom Taubenschlag. Aber - zugegebenermaßen - find ichs irgendwie auch schön so. Langeweile - please go home!
Ich wünsche meiner Freundin von ♥en, dass sie sich schnell erholt und ihren Weg finden mag.
Auf dass wir Kirschtortenmädels beide das nächste Mal die Augen etwas offener halten nach gewissen Merkmalen, die jene Marmorkuchen-Typen zwar gut überschminken, aber dennoch nicht gänzlich versteckt halten können.
Denn seien wir mal ehrlich - wer will schon Marmorkuchen, wenn er Kirschtorte haben kann?

Samstag, 26. Februar 2011

Kleine Freude zum Wochenende

Zum Wochenende lag in meinem elektronischen Postfach eine schöne Nachricht. Erneut hat es eine meiner Kurzgeschichten in eine Anthologie geschafft, diesmal beim Sperling Verlag zum Thema "Wasserwesen". Lange Rede, kurzer Sinn - i gfrei mi:

http://www.sperling-verlag.de/ausschreibung.html


Samstag, 19. Februar 2011

Wenn einer neue Möbel kauft...

... dann kann er was erzählen. Und das mal nicht zu knapp.
Was diese Woche an Nervenkrieg im Hause B. stattfand, das geht auf keine Kuhhaut.
Vor circa drei Wochen blieb ich in einem grossen Möbelhaus an der Münchner Theresienwiese (wer kann das wohl sein?) an einem Schlafzimmer kleben, das einfach wunderschön war. Olivenholz mit Schokoglasfronten, oh wie hüpfte mein kleines, bisher recht geschundenes Herz. Dazu der Knüller, denn es war im Abverkauf und somit komplett (! ich wiederhole für später noch einmal - komplett - "Sie müssen nur noch Matratzen kaufen.") für 1.600,- Flocken weniger zu haben als normal. Schnell wurde der Vertrag gemacht, eines sei noch orginalverpackt auf Lager, sehr schön, in zwei Wochen könne man es haben.
Kurz drauf der Anruf des Lagers - ach, immer diese Verkäufer, warum erzählen die das denn, nein, es seien drei Wochen. Okay, sagte ich, nicht doll, aber die krieg ich nun auch noch rum. Mann, sagt der Typ am Telefon, sind Sie freundlich, wir haben da ganz andere. Tja...
Diesen Mittwoch war es soweit. Was hab ich mir ein Loch in meinen kleinen Bauch gefreut, und ein Tag Urlaub war sowieso genommen. Was nicht kam - na ratet mal. Um 08:30 Uhr kam der Anruf, oh es tut uns ja so Leid, aber wir können das nicht ausliefern, das geht gerade wieder zurück, das ist unvollständig und zerstört.
Hä?
Ja unnu?
Ich gebs zu, erstmal habe ich ne Runde vor Wut, Enttäuschung und Erschöpfung geheult. Es ging nix mehr vor und zurück. Noch dazu ein Tag Uralub für die Katz, klasse.
Um Punkt 10 Uhr - die Tore öffneten sich gerade - ging ich also in das Möbelhaus (nein, ich stürmte nicht) und gab im Anschluss beim Abteilungsleiter der Schlafzimmersektion eine gelungene Mischung aus armen Hascherl und - so schrieb ichs einem Freund - rasenden Wildsau. Also ein armes Hascherl, dem man sowas doch nicht antun kann, das aber seine Rechte kennt und im richtigen Moment jederzeit zur Wildsau werden kann. Liess das während der ganzen Zeit unterschwellig mitschwingen.
Im Eiltempo flogen der Herr und ich durch den Showroom, innerhalb von 5 Minuten war eine Alternative gefunden, die zwar so gar nicht Olive/Schoko war (heul), sondern mehr Esche/Sandgrau, aber dafür war der Schrank tiefer und hatte Schiebetüren *schmacht*. Also auch hier - ja alles komplett, die Kommode auch dazu, kein Problem, morgen liefern wir, versprochen. Der Preis wurde auch gaaanz weit nach unten gesenkt, so dass ich im Endeffekt noch einen ganzen Batzen wiederbekam. Davon und von dem, was ich derzeit spare, gönnte ich mir im Untergeschoss mal gleich eine richtig feine Ledercouch. Von nix kommt schliesslich nix.
Gestern also kamen um 12 Uhr die Monteure.
Es sehe nicht gut aus.
Ich bekam langsam Schmerzen in der Brust, die so Richtung linker Arm zogen. Nein, das ist kein Scherz, ich habe einen leichten (?) Herzfehler und zusammen mit der Aufregung bekam ich langsam keine Luft mehr. Wie, es sehe nicht gut aus?
Ja, die Kommode sei kaputt.
Man habe mich übrigens angelogen, der Herr habe das Schlafzimmer von gestern gesehen, da war nichts zerstört, die haben das als Ersatzteillager für andere Zimmer verwendet, aber das hätte ich offiziell nicht von ihm.
Und Lattenroste seien keine dabei.
...
Bittä?
Es heiss komplett mit allem Drum und Dran!
Ja, meint der arme Mann, da hat der Verkäufer Mist gebaut.
Ich bin dann erstmal ins Wohnzimmer, hab die Herren werkeln lassen und versucht, wieder Luft zu kriegen und die Schmerzen wegzuatmen.
Später, als das Gerüst stand und die Monteure weg waren, habe ich all meiner Wut freien Lauf gelassen und auf der Theresienwiese sowie im Lager in Eching dutzende verbale Molotowcocktails eingeworfen. Es sei mir - Verzeihung - scheißegal, wie sie das nun anstellen würden und selbstverständlich wisse ich, dass die Herrschaften dort nichts dafür könnten, doch ich ziehe mir mein Geld schließlich auch nicht ausm... Po und bis 18 Uhr hätte ich zwei Lattenroste hier stehen, sonst gehe das Ding umgehend zum Anwalt und dann krachts gewaltig.
Um 15 Uhr waren die Lattenroste da.
Leihlattenroste.
Hä?
Nigelnagelneu, angeblich Spezialleihlattenroste (was fürn Wort) vom Hersteller.
Ja klar.
Wen wollt Ihr hier verarschen?
Heute wieder zur Theresienhöhe.
OooooOOoooOOOoooh das tue dem Abteilungsleiter sooooo Leid, ja das müssten wir sofort regeln. Ich meinte nur, die Lattenroste gebe ich nie, nie, nie mehr her, die müsste man mir schon aus meinen kalten, toten Händen reissen und man sollte mir mal ein anständiges Angebot unterbreiten, die Dinger sind 08/15 und kosten nur 99,- Mäuse pro Stück. Zudem bitte die Kommode stornieren, ich hab die Nase sowas von voll.
Das Ende vom Lied - ich bekomme einen Gutschein geschenkt, der gleich mit den Lattenrosten verrechnet wird, so denn ich am Dienstag erfahre, was die Dinger kosten sollen.
Wahrscheinlich trifft mich dann der Schlag.
Wär ja nicht zum ersten Mal.


Freitag, 18. Februar 2011

Verschönerung des Tages - Neue Rezension

Danke liebe Tialda, gerade in dieser explosiven Woche (die noch lange nicht vorbei ist, hierzu wahrscheinlich morgen mehr), wirken Worte wie Deine wahre Wunder. Besonders freut mich Dein Lob bezüglich der Erotikszenen. Da weiss "frau" doch, dass sie auf dem richtigen Weg ist und die Fantasie weiter laufen lassen sollte. Wegen der Fehler, über die ich mich auch schon saumässig geärgert habe, gelobe ich feierlich Besserung und geh jetzt in eine Ecke, mich ganz doll schämen. Vielen lieben Dank dafür, dass Du Dich durchgekämpft hast!



Wer mehr lesen will, bitte schön:

Tialdas Blog

Necroweb


Montag, 14. Februar 2011

Von Poltergeistern und menschlichen Raubtieren...

Letzte Nacht hat mir den Rest gegeben. Zumindest körperlich. Stimme wie ein alter Säufer (ich will nichts hören!), keine Kraft mehr, zwei Treppenstufen hoch und mir geht die Puste aus. Dazu Spannungskopfschmerz, Halsschmerz und eine langsam zum laufen anfangende Nase. Na war ja klar, jetzt kommt die Quittung für die letzten Wochen Power aus allen Rohren. Gut, das war absehbar und ist nichts, was grossartig dramatisch wär.
Wenn, ja wenn mich die Begleitumstände von heute nicht doch etwas beunruhigen täten. Ab 2 Uhr war die Nacht vorbei, gerade knapp vier Stunden geschlafen. Ja sicher. Also versucht, wieder einzuschlafen, nix ging, bisserl Musik gehört und schwupps war ich um 4 Uhr wieder weg. Zumindest hab ich da das letzte Mal auf die Uhr geschaut.
Was im Anschluss passierte, würde ich für mich als gänzlich neue Hausnummer betiteln:
Gestern Nacht war ich in zwei Ländern (ich hatte zunächst Kontinente geschrieben, weil ich die räumliche Trennung verdeutlichen wollte, doch der Korinthenkacker in mir liess mir keine Ruhe *seufz*). Das ist ungewöhnlich, bisher wars pro Nacht maximal eins. Überhaupt, gäbe es für mentale Reisen reale Bonusmeilen, ich könnte schon locker 5x First Class auf die Malediven fliegen.
Zunächst war ich in Schweden, in irgendeinem Bauernkaff am allerletzten Winkel des Landes. Trotzdem nicht uncharmant, das Fleckchen Erde. Ich befand mich im hellen Haus einer Grossfamilie, die mich wissen liess, dass immer wieder Sachen verschwinden oder zerstört würden und dass sie sich dort nicht mehr wohlfühlen.
Oh Mann.
Ein Poltergeist.
Einmal ist immer das erste Mal.
Ich habe mir dann das Haus und das Grundstück angeschaut und bin ins Dorf, ein paar Informationen holen. Einer der Dorfältesten berichtete mir, man hätte dort auf dem Land kein Haus errichten dürfen, es sei verwunschen. Ach super, haben wir das nicht schon geahnt? Im Haus zurück bin ich nochmal alles abgegangen, und siehe da, im Schlafzimmer der Eltern wurde ich fündig. Dort stand ein kleiner, leicht untersetzter Mann in einem dunklen Anzug mit dem Rücken zu mir und blickte immer wieder nach links unten und dann nach rechts oben. Ich fragte ihn, was er da täte und er meinte, ob ich das nicht sehen könne? Was ich im Anschluss bei genauerem Hinschauen erkannte, war der Strick, der rechts über ihm baumelte, und er erklärte mir, dass er einen Menschen getötet habe, der links neben ihm liegen würde. Das tat er zwar nicht, doch spürte ich Reste dessen ehemaliger Präsenz. Der Mann ging nicht auf das Geschehene ein und ich fragte nicht weiter, um ihn nicht zu verschrecken. Er berichtete mir, dass er sich im Anschluss an die Tat direkt neben der Leiche erhängt habe, als ihm das Ausmass der ganzen Situation klar geworden war. Ich fragte ihn, ob er seine Tat bereue, und als er bejahte, hatte er Tränen in den Augen. Daraufhin meinte ich, dass dies die beste Voraussetzung dafür sei, sich nun vom Geschehenen zu lösen und sich fortan um sein eigenes Seelenheil zu kümmern. Ein wenig ängstlich blickte er mich an, dann fragte er mich, ob ich ihm helfen würde. Das allerdings, erwiderte ich, könne nur er selber. Er solle aufhören, sich an die Endlosschleife Mord-Strick-Mord-Strick zu krallen und einfach loslassen. Hierauf lächelte er und meinte, er würde da ein Licht sehen. Ich dachte mir zwar, oh Mann ist das kitschig, wie in den Schnulzen, aber hey, wenns tatsächlich stimmt, bin ich die Letzte, die darüber urteilt. Sein erster Versuch, hinüberzugehen, war etwas ungelenk und scheiterte, da er sich noch nicht gänzlich gelöst hatte. Doch er gab nicht auf und meisterte den zweiten Anlauf. Er "flog" nach draussen, über die hohen Tannen hinweg und war fort. Sofort kehrte in dem Haus ein Friede ein, der vorher nicht existiert hatte.
Noch ehe ich mich über die Erlösung des Mannes freuen konnte, machte der Traum eine 180 Grad Drehung, und ich fand mich in einem anderen Haus wieder. Diesmal war alles anders. Die Stimmung war düster und bedrohlich. Das Haus war innen komplett mit einem dieser - meinem Geschmack nach - furchtbaren dunkelgrünen Teppiche verkleidet, die in den 70ern mal modern gewesen sein müssen. Ich machte mich langsam auf, das Haus zu erkunden, und fand überall in den Zimmern, auf den Gängen und den unzähligen Treppen merkwürdige kleine Tiere, die sich gegenseitig auffrassen. Komischerweise zeigten sie an mir keinerlei Interesse, und wer solche Träume kennt, der weiss, dass man normalerweise darin immer selber auf der Speisekarte steht. So schlich ich also von Zimmer zu Zimmer und spürte, dass ich nicht mehr in Skandinavien war. Nur wo war ich denn?
Als ich auf einer Art Empore ankam, zu der eine lange Treppe herauf führte, erhielt ich des Rätsels Lösung. Ein grosser, schlanker Mann mit kurzen dunklen Haaren und ebenso dunklen Augen schritt die Stufen zu mir empor, sein langer schwarzer Mantel wunderbar kontrastierend zu dem blutroten Hemd. Ich glaube sogar, eine rote Rose im Knopfloch entdeckt zu haben. Doch trotzdem dieser Mann optisch zum Niederknien war und bei jedem Modelcontest hätte mitmachen können, besaß er die Aura eines Raubtiers und ich wusste sofort, Emily, dem darfst Du unter keinen Umständen trauen. Als hätte er meine Gedanken gelesen, setzte er sein schönstes Colgate-Lächeln auf und hiess mich zunächst auf charmante Art in Russland willkommen. Russland? Ach, was solls.
Als ich vorsichtig fragen wollte, was das hier zu bedeuten habe, reichte der schöne Mann mir zur Begrüssung seine Hand und meinte, er freue sich, mich endlich kennen zu lernen, er habe schon seit Längerem Interesse an mir. Aufgrund dieser Aussage zögerte ich, seine Hand zu ergreifen, denn ich spürte, wenn ich das jetzt mache, dann passiert irgendwas, was mir ganz und gar nicht gefällt. In dem Moment beging der Unbekannte, offenbar aus Ungeduld oder vielleicht auch aus reiner Selbstüberschätzung heraus, einen für ihn sehr dummen Fehler - er nannte mir seinen Namen.
Sofort setzte ich all die wenigen, mir bisher bekannten Methoden ein, um schnellstmöglich die Verbindung zu kappen und aus dem Traum aufzuwachen.
Heilige Scheisse.
Rasputin.
Na der hat mir gerade noch gefehlt...

scardescardescarde

Sonntag, 13. Februar 2011

Valentin und der heilige Kartoffelsalat

Morgen ists also wieder soweit.
Valentinstag.
Der Tag, an dem sich die Blumenhändler vor gieriger Vorfreude im Sekundentakt die Hände reiben und auf all jene Vertreter der männlichen Gattung warten, die entweder frisch verliebt, noch verliebt, wieder verliebt oder aus irgendeinem Grund mit einem schlechten Gewissen gesegnet sind. Nebenbei meine Damen - es gibt kaum was Besseres als einen Mann mit einem schlechten Gewissen.
Als ich noch ein Teenager war, da war der Valentinstag für mich so etwas wie ein Heiliger Gral. Biste am Valentinstag vergeben und bekommst sogar ein Blümchen, dann hastes geschafft.
Ähm.
Ja.
Wasn eigentlich?
Der gute Valentin von Terni hätte sich sicher niemals erträumen lassen, was seine nicht ganz legalen Eheschliessungen am Verbot des Kaisers vorbei für eine Auswirkung auf die Nachwelt haben würden, steht sein Name und seine damals symbolische Darreichung von Blumen aus dem eigenen Garten doch für das, was wir uns alle (mehr oder weniger heimlich) erträumen.
Liebe für immer.
Ein Partner, der mit uns durch dick und dünn geht, auf den wir uns immer verlassen können, komme was wolle.
Nun bin ich derzeit nicht wirklich in der Position hierüber zu urteilen, habe aber dennoch meinen Glauben daran nicht verloren. Eine gute Freundin, selber gerade frisch getrennt "worden", fragte mich kürzlich unter Tränen, wie ich es nur schaffe, den Männern (so schnell) wieder zu vertrauen. Das war so süss, dass ich unweigerlich lachen musste und antwortete "Nur weil man einmal daneben liegt, heisst es doch nicht, dass alle so sind." Natürlich gibt es immer noch Momente, in denen mich die Trauer wie BamBam mit der Keule von hinten niederstreckt, und das ist völlig normal, denn es bedeutet, dass meine Seele verarbeitet. Dass sie heilt und sich langsam, aber sicher erholt.
Deshalb sehe ich dem morgigen Tag völlig gelassen entgegen. Ich brauche keine Blumen, um zu wissen, dass ich gemocht werde. Okay, das ist jetzt ein wenig zu ungenau, lasst es mich so sagen - ich finde es durchaus wichtig, dass man seinen Partner hier und da durch kleine Gesten und Geschenke wissen lässt, wie sehr man ihn schätzt. Nur unterliegt dies keiner zeitlichen Begrenzung. Ist wie mit Weihnachten - man schenkt, weil man muss. Ist ja schliesslich Weihnachten. Für mich hat das alles keine Bedeutung mehr. Was mir als Kind noch ein seliges Leuchten in die Augen zauberte, verkommt für mich immer mehr zum Kommerz und zur geschickten Manipulation der - in diesem Fall - lokalen Gärtnereimafia.
Mein Wahlspruch lautet:
Wer mich liebt, der macht mir Kartoffelsalat oder bringt mir Kürbiskernbrötchen mit. Eigentlich ne ganz einfache Kiste. Wobei ich natürlich nix dagegen hätte den Kartoffelsalat mit einer Rose garniert vorzufinden.
Weil... ein bisschen Romantik darfs dann schon auch irgendwie sein.

flower

Dienstag, 8. Februar 2011

Wo bitte gehts zur Ruhe?

Manchmal lässt einem das Schicksal wirklich keine Zeit zum durchatmen.
Da lebt man in einer superschnupsigen Wohnung, zunächst zwar nur aus Kisten, aber dennoch mit hohem Wohlfühlfaktor, und beginnt gerade, sich an die neue Situation zu gewöhnen, da ereilt mich mitten in der Nacht der Hilferuf einer der Personen, die mir in meiner schweren Zeit beigestanden haben. Gleiches Strickmuster, nur andere Farbe.
Kann. Ja. Wohl. Nicht. Wahr. Sein.
Nun hatte und habe ich - selber erst seit weinigen Tagen umgezogen - gleich Gelegenheit, Gastwirtin zu spielen. Was ich gerne mache, denn wie gesagt, man hat mir geholfen, nun bin ich an der Reihe.
Es schlaucht zugegebenermassen sehr, denn meine Akkus begannen gerade, sich Stückchen für Stückchen aufzuladen, schon werden sie mit neuem (fremden) Leid wieder aufgebraucht. Ihr könnt Euch vielleicht denken, wie wund mein Zahnfleisch derzeit ist vom ständigen Drauflaufen.
Dennoch durfte ich wohl als sofortige "Reparation" zeitgleich erleben, wie sich fast parallel wieder zwei neue Türen auf meinen Weg zum "neuen, alten Ich" öffneten. Eine Bekannte meinte kürzlich "Siehste, wenn man sich erst einmal zu etwas durchringt, dann merkt man, dass Vieles bereits seit Ewigkeiten vor der Tür gestanden hat. Du hast Dich nur nicht getraut, sie zu öffnen."
Kluge Frau.
Kann man nix sagen.
Das Einzige, was mich derzeit fuchst, ist, dass im Moment nix mit Schreiben ist. Weder am Buch noch hier (bis auf wenige Zeilen). Aber auch das wird sich wieder ändern. Irgendwann demnächst, wenn sich die Wogen wieder glätten.
Mögen sie uns bis dahin zu gänzlich neuen Ufern tragen.

Mittwoch, 2. Februar 2011

The way chosen...

Viele von Euch haben bemerkt, dass es die letzten Wochen sehr ruhig um mich geworden ist. Haben kommentiert, mich angetwittert und mir gemailt, was denn los sei und mich auf diese Weise wissen lassen, dass es - mehr oder weniger unbekannt, trotzdem nicht weniger herzlich - Menschen gibt, die an mich denken.
Mein letzter Post "Das Schweigen der Ponys" war, wie Shan Dark treffend geschrieben hat, zum "nichts-ganz-draus-schlau-werden". Das war keine ausgeklügelte Taktik, um Euch auf die Folter zu spannen, sondern zu diesem Zeitpunkt mein aktueller Gemütszustand. Ich befand mich in Trauer und vielleicht befinde ich mich es immer noch, auf die ein oder andere Weise.
Vor circa vier Wochen trat eine einschneidende Veränderung in mein Leben, die mich dazu veranlasste, meinen Weg in Zukunft alleine zu gehen. Solch eine Entscheidung zu fällen und sie dann auch durchzuführen, das mag für den, der zurück bleibt, sicher mit das Grausamste sein, was er je erlebt hat, und nicht selten fängt man an zu wanken, fragt sich, war das wirklich richtig? Und bevor jetzt irgendwelche Mutmassungen auftauchen, möchte ich vollkommen reinen Herzens sagen, dass diese Veränderung kein Mensch ist, denn bis zum Schluss habe ich mich an das Versprechen gehalten, was ich einst gegeben habe.
Versprechen sind so ne Sache. Das Wort alleine sagt es in sich schon aus. Man hat sich versprochen. Man hat etwas Falsches gesagt. Ein kluger User, den ich leider nicht mehr finde (bitte melden) schrieb einst "Man gibt nicht sein Wort, um es dann wieder zu brechen". Ein Satz, den ich uneingeschränkt unterstützen kann und der dennoch viel zu strikt ist, als dass er alle Graunuancen erfassen könnte.
Heisst es nicht auch, dass man geliebt und geehrt werden soll?
Was, wenn auch nur eins davon nicht zugetroffen hat?
Wer hat dann zuerst den Schwur gebrochen?
Und ist das im Endeffekt überhaupt noch von Bedeutung?
Das Schicksal ist eine Hure. Kurz, nachdem ich mich endlich auf meinen neuen Weg gemacht hatte, überstürzten sich die Ereignisse, und wer immer, egal wo, am Rädchen der Glücksmaschine drehte, er fand, dass es Zeit war, zu belohnen. Belohnen für eine so lange Zeit, die für mich so unendlich schwer und damals schon voller Trauer war darüber, dass es nicht so war, wie stets überall gepredigt und gepriesen. Denn nur zwei Hälften ergeben ein Ganzes. Wenn jedoch die eine Hälfte wie ins Nichts verschwindet, dann liegt die zweite nur nutzlos am Boden. Entweder kommt irgendwann jemand und entsorgt sie, oder er befindet, dass man damit noch prima was tun kann. Nachdem ich also den neuen Weg gewählt hatte, fand der Rädchendreher, wir geben dieser Frau noch eine Chance und schenkte mir innerhalb von nur vier Tagen ein komplett neues Obdach. Innerhalb einer Großstadt wie München, in der die Wohnungsnot aufgrund der horrenden Preise bis ins Nirwana schiesst, geradezu eine Kunst. Und wenn dann, wie in meinem Fall, auch noch gänzlich ohne Vitamin B, dann kann man einfach nur noch staunen. Ich hatte mich schweren Herzens zu einer Entscheidung durchgerungen und nun liess man mich wissen, dass sie richtig war.
Ich selber habe schon immer an die Dreierregel geglaubt. Alles, was man sagt und tut, kommt irgendwann dreifach stark auf Dich zurück. Ohne Selbstbeweihräucherung betreiben zu wollen, das, was in den letzten vier Wochen auf mich zukam, war nahezu überwältigend. Eine Wohnung, die wunderbarer nicht sein könnte, zu einem anständigen Preis in einer tollen Lage. Und sogar mit einem Garten. Ein Umzugsunternehmen, dass schneller, fairer und ja, sogar fürsorglicher nicht hätte sein können (Online-Handwerksportale rentieren sich durchaus - ich empfehle gerne weiter, wer Fragen hat, bitte per Mail). Grandiose Schnäppchen auf dem Einrichtungsmarkt, die fast schon Fata Morgana-Ausmasse annehmen. Und, das Wichtigste - Freunde, die selbstlos zur Seite stehen, egal zu welcher Tages- und Nachtzeit, mit allem, was der Neustart so braucht.
In einem vorherigen Post schrieb ich davon, dass Freunde in Not die Pest sind, man ihnen aber trotzdem hilft. Diesmal war ich die Pest. Und was für eine.
Doch ungeachtet dessen brachen in für mich schier überwältigender Anzahl so viele Hilfsangebote ein, die mich bis ins Innerste berührten. Dabei waren es überraschenderweise gerade die Menschen, mit denen ich am wenigstens gerechnet hatte. Mein Vater meinte neulich, "Mensch Emily, Du hast aber viele Freunde." Ich musste ihm erstaunt recht geben. Bisher war immer ich diejenige, die half, wo es ging, und wenn es drauf ankam, ließ man mich sitzen. Diesmal war es komplett anders und ich kann immer noch nicht fassen, wie viele Menschen es offenbar dort draussen gibt, die mich mögen und mit mir durch Dick und Dünn gehen. Seid gewiss, ich werde Euch das nie vergessen und meine Tür steht immer für Euch auf. Danke.
So eine Sache nahezu komplett innerhalb von nur vier Wochen wie aus dem Nichts aus dem Boden zu stampfen, ja das ist schon eine nicht unbeachtliche Leistung. Leider hat sie auch ihre Spuren hinterlassen. Innerhalb von nur einer Woche verlor ich ganze fünf Kilo. Essen ist noch mehr ein Glücksspiel, als es das ohnehin schon war. Schlafstörungen begleiten mich seit Beginn des Umbruchs. Mich. Das Murmeltier, das sogar im Stehen neben einem startenden Düsenjet schlafen kann. Jetzt bin ich froh, wenn es mal fünf Stunden die Nacht am Stück sind. Gestern beispielsweise machte ich um 23 Uhr das Licht aus. An ist es wieder seit 3 Uhr früh. Nicht, weil ich grübel, denn das Kopfkarussell ist längst vorbei. Sondern weil mein Körper nun reagiert und mich wissen lässt, dass der letzte Monat ein massiver Raubbau gewesen ist, den er mir unter anderem an einem Tag mit der schlimmsten Migräneattacke meines bisherigen Lebens quittiert hat. An diesem Tag wollte ich wirklich nur sterben. Da ich aber meinen Freunden das Sofa nicht versauen wollte, liess ich es artig bleiben. Ich wache auf, weil ich friere und Hunger habe. Dann esse ich was, auch mitten in der Nacht, und hoffe mit der Wärmflasche auf meinem Bauch, es möge nur dieses eine Mal drin bleiben.
Nun sitze ich also hier und krabbel jeden Tag ein Stückchen weiter ins Leben zurück. Ich möchte jetzt nicht sagen "der Sonne entgegen", denn das schliesst sich ja wohl von Natur aus aus. Doch ich meistere den Alltag mit einer Kraft, von der ich nicht gedacht hätte, sie zu besitzen. Alles, was ich die letzten vier Wochen erlebt habe und was sich im Nachhinein hier und da erschütternderweise als wirklich wahr herausgestellt hat - Dinge, die ich nicht mal im Ansatz auf der Platte hatte und nun umso unfassbarer scheinen - haben in der Zwischenzeit sämtliche Zweifel an der Richtigkeit meiner Entscheidung weggefegt wie ein Sandsturm das Beduinenzelt. Es ist mir durchaus bewusst, dass auch Menschen diesen Blog lesen könnten und sicherlich auch neugierig lesen werden, von denen es mir lieber wäre, sie würden es nicht tun. Also könnte ich aufhören, darüber zu schreiben und nur noch unwichtigen Firlefanz verbreiten. Aber das sehe ich nicht ein. Das, was ich mir erkämpft habe, ist zu kostbar, als es nicht angemessen zu würdigen, und zu wichtig, als dass ich es in einen Elfenbeinturm sperren würde.
Ich hege keinen Groll. Mehr.
Ich fühle kein Bedauern. Mehr.
Ich wünsche nur das Beste. Wieder.
Und dass vielleicht der ein oder andere durch diesen Text ermutigt wird, sein Leben zu leben, wie es richtig für ihn ist. Auch, wenn es verdammt viel Kraft kosten und sicher keine Rutschpartie auf flauschig rosa Wattewölkchen werden wird.
Wichtig ist, was unterm Strich raus kommt.
Wichtig ist der Weg, den Ihr Euch wählt.

Maulwurf