Dienstag, 23. November 2010

Der Wert der kleinen Dinge

Schon oft beschlich mich der Gedanke – warum wird Vieles im Leben übersehen? Durch Stress, Ärger, Probleme und ständige „Attacken“ von außerhalb, seien es Werbeplakate, Musik oder, ganz hip, die Inside-Out Screens, die neuerdings unzählige Apotheken zieren, wird der Mensch ständig mit Reizen bombardiert, die er kaum verarbeiten kann, und übersieht dabei oft die kleinen Dinge im Alltag. Dinge, die nicht unbedingt wertvoll oder bedeutsam sind, doch bei genauerer Betrachtung vielleicht zu denken geben und die ein oder andere Geschichte erzählen.
So geschehen heute am Strand um circa 07:15 Uhr Ortszeit. Ja, ich gebe zu, zu den passionierten Frühaufstehern zu gehören, die selbst im Urlaub kaum länger als bis 08:00 Uhr im Bett bleiben können, weil die Entdeckerlust sie umtreibt. Andere nennen es senile Bettflucht, Ihr dürft es betiteln, wie Ihr mögt. Am Strand war noch recht wenig los, was umso besser war, konnte man doch in Ruhe das Meer und den Sonnenaufgang genießen, sowie den ein oder anderen Meeresschatz bergen. Erwischt, ich liebe es, Muscheln zu sammeln. Aber nicht die ganz normalen, die man überall auf der Welt findet. Ich suche im speziellen Schneckenhäuschen oder Muscheln mit ungewöhnlichen Formen und Farben. Daheim steht pro Urlaub je ein Glas mit solchen Fundstücken herum, mein Mann stöhnt jedes Mal aufs Neue und hat im Koffer immer ein Plätzchen dafür frei. Jedes Mal freue ich mir nen Wolf, wenn wieder was Schönes meinen Weg kreuzt. Heute sah ich einen Stein, der die Form eines Herzchens besaß und dazu noch ein Loch in einer Rundung aufwies. Das könnte man ja als Anhänger verwenden, schoss es mir durchs Hirn, und als ich den Stein umdrehte, entdeckte ich zu meiner Überraschung, dass es kein Stein, sondern tatsächlich ein Anhänger war. Auf der Rückseite waren zwei kleine Blumen aufgemalt und das Ganze entsprechend fest gebrannt. Schlicht, nichts Besonderes... aber irgendwie doch.
Wie viele mögen schon achtlos daran vorbeigegangen sein, ohne sich um das kleine Herz zu kümmern? Ohne es überhaupt entdeckt zu haben? Meine Schreiberseele schlug sogleich Purzelbäume und ertrank sich in den stürmischten Gedanken – wo kommt es her? Wer hat es verloren? Und wie alt mag es überhaupt sein?
Auf keine dieser Fragen wird es je eine Antwort geben, und auch wenn ich vor Neugier platze, so muss es mir doch reichen, wieder einmal auf eine kleine Besonderheit gestoßen zu sein, eben weil es möglich war, inne zu halten, mich eine Runde um zu blicken, zu beobachten und zu staunen. Klappt leider nicht immer, aber ab und zu. Zugegeben, im Urlaub hat man noch mehr Zeit dafür als sonst im tristen Alltagsgrau.
Heute war für mich der Tag der kleinen Dinge, die mir zuhauf vor die Linse kamen.
Seien es die zwei Einsiedlerkrebse, von denen sich einer wie eine Diva minutenlang vorm Shooting zierte, sei es der sich sonnende Schmetterling direkt vor unserer Tür, die herzförmige Frucht eines Feigenbaumes, die von anderen Gästen erst bemerkt wurde, als ich – völlig tourilike und bar jeglichen Peinlichkeitsgefühls – mit der Kamera direkt darunter hing... oder eben das kleine Herz der Andamansee.
Inne halten und sich Zeit nehmen, das machen wir heute leider viel zu selten. Dabei gibt es soviel, dass sich lohnt, beachtet zu werden, und soviel Kleines, das mit ungeahnt großer Wirkung unseren Alltag bereichern kann...






Sonntag, 21. November 2010

Das andere Ende der Welt...

... naja fast.
Wollen wir mal nicht so kleinlich sein.
Sauschön isses hier auf jeden Fall:

video

Donnerstag, 18. November 2010

Hoodoo Woman von nebenan

Heute war einer der schlimmsten Tage meiner bisherigen Laufbahn.
Jamaikanerin mit zwei Mädels (12 und 14), verliert ihr Dach übern Kopp.
Also um 08:00 Uhr stehen Spedi, Gerichtsvollzieherin, Vermieterin usw vor der Tür, die Mutter total neben der Kappe (als wär sie nie vorbereitet worden, ach was reg ich mich auf?), die 14jährige arschcool, als wärs ihre fünfte Räumung (was es sicherlich auch war, welch traurige Kindheit), die hat alles gemanagt (nochmal - mit 14!), und die 12jährige hatte von nix ne Ahnung. Die war total geschockt, und während Mama und große Schwester packten stand sie weinend und schreiend vor uns, denn wir mussten ihr ja sagen, ne also dat Häschen kannste aba nich mitnehmen, da wo ihr hin geht sind keine Tiere erlaubt. Die Kleine kriegt sich nicht mehr ein, so sehr, dass ich auch fast mitheule, weil ichs nicht übers Herz bringe, einen Menschen von seinem geliebten Tier zu trennen, und meine Kollegin grübelt auch schon, ob sie dem Häschen Notasyl bei sich daheim gewähren soll.
Lange Rede, kurzer Sinn, es war schlimm, schlimm, schlimm, und wir fanden uns in einer von der Mutter künstlich geschaffenen Erpressungssituation wieder. Da hätte ich sie am liebsten durch die ganze Stadt geprügelt, denn wir hatten dazu geraten, die Kinder in die Schule zu bringen, um sie dieser traumatischen Situation nicht auszusetzen. Aber war ja klar, was kümmert mich schon (m)eines Kindes Seele, vielleicht zieht ja das schlechte Gewissen bei der Gerichtsvollzieherin und ich darf bleiben. Und ich musste dabei schauen, dass es nicht noch mehr eskaliert. Hart bleiben musste derweil die Gerichtsvollzieherin, die sagte, sie selber habe in ihrer langen Karriere sowas noch nicht erlebt und brauche heute auch nichts mehr.
Später im Büro sprach mich meine Kollegin an, ob ich das auch gesehen hätte, die Damen hätten in jedem Zimmer immer wieder über den Türen an die Rahmen gefasst, als würden sie da was wegwischen. Da fiel mir ein, dass ich im Wohnzimmer über der Tür was am Rahmen stecken gesehen hatte. Mein erster Gedanke war Kamera, mein zweiter Bewegungsmelder, ach keine Ahnung, die Kleine trug derweil wieder ihren Hasen im Rucksack vor sich rum und schrie, ich hatte keine Zeit mir das näher anzugucken. Komisch, komisch. Somit ruf ich neugierig die ehemalige Vermieterin an, die mir nach meinem Bericht im Anschluß sagt, Mensch ich hab da auch noch was. Ich - oh oh. Wasn? Ja, sagt sie, in sämtlichen Zimmern fanden wir hinter den Leisten am Boden versteckt kleine zusammengefaltete Zettel mit Psalmen. Ich Neugiernase hab mir das natürlich gleich mal schicken lassen und geforscht, tataaaa es ist tatsächlich Voodoo. Oder Hoodoo, kommt drauf an, ob es sich um religiöse Hintergründe handelt oder die Annahme, den Alltag durch Rituale und Zauber beeinflussen zu können. Okay, dann wars in dem Fall Voodoo, der Glaube war omnipräsent. Im Kinderzimmer beispielsweise befand sich der Psalm 126, der im Voodoo zum Schutz für Kinder verwendet wird...
Hatte ich doch wieder den richtigen Riecher. Noch vor zwei Wochen sagte ich zu meinem Kollegen, wir sollten uns alle vielleicht mal Gris-Gris' zulegen, ich glaub, die Frau ist nicht ganz ohne. Haben mich natürlich alle ausgelacht. Und jetzt?
Wenn ich morgen mit Glatze oder Pusteln aufwach, dann wissen wir, wer schuld dran ist.
Oder wenn mein Mojo flöten geht.
Nervlich bin ich am Ende.
Ich sauf mir jetzt einen.
Prost.


Dienstag, 16. November 2010

Das Schicksal ist ein Schlamperich!

Gerade stehe ich in der Küche und spüle ab.
Da hüpft mein Mann wie von der Tarantel gestochen um mich herum, huscht nach draußen zur Garderobe und kommt mit einem kleinen Zettel wieder.
"Schatz," sagt er, "wir haben derzeit chinesische Wochen. Ich geh fast nie chinesisch essen, aber heute wars mal wieder in der Runde soweit. Somit habe ich mindestens drei Zeugen, die beeiden können, dass dieser Zettel in meinem Glückskeks war!"
Sprachs, reichte mir mit einem lausbübischen Grinsen den Wisch, was mich schon nicht Gutes ahnen ließ...
Was soll ich noch sagen?
Genau.
Nüscht.


Montag, 15. November 2010

Geld liegt nicht auf der Straße. Oder?

Schon wieder! Es ist wieder passiert. Tante G hat schon wieder Geld auf der Straße gefunden. Wieder zehn Euro. So langsam gibt mir das zu denken, ist bei Weitem nicht das erste Mal, dass mir rund ums Geld so Glückssachen passieren.
Zum Beispiel denk ich da viiiiele Jahre zurück (gut, es sind vielleicht sechs), da hatte ich einen anstrengenden Job, der fast nichts abwarf, dafür aber Unsummen an Pendelkosten verursachte. Trotzdem immer noch besser, als vom Staat zu leben. Eines Morgens saß ich im Zug und eine Station nach der Abfahrt schon pflanzte sich eine gut betuchte, ältere Dame zu mir, die mich sofort zugackerte. Ich nutzte damals die Zugfahrten entweder zu ausgiebigen Lesereien oder - ganz simpel - noch fürn Stündchen Schlaf. Tja, das war mal nichts, und unhöflich wollt ich auch nicht sein. Also lauschte ich ihren Erzählungen über ihr Haus, ihre Haushälterin und die teure Damastbettwäsche, und hoffte, irgendeine Macht würde mir das irgendwann mal anrechnen. Dann erzählte sie mir von ihrem Sohn, den Herrn Doktor von der Uni, der nun arbeitslos geworden sei und Frau und Kinder daheim hocken habe. Wie schwer es sei, wieder einen neuen Job zu finden und so weiter und so fort. Ja, meinte ich da, ich weiss, wies ihm geht, ich halte mich mit nem Job über Wasser, der weit unter meiner Qualifikation liegt, Hauptsache, es geht was voran, auch wenn am Ende vom Geld noch viel zu viel Monat übrig ist. Da guckte sie und es ward stumm. Prima, dachte ich, jetzt kann ich in Ruhe wieder lesen, als ich aus den Augenwinkeln sehe, wie die Dame in ihrer Tasche kramt und noch bevor ich wusste, wie mir geschieht, stopft sie mir was in mein Buch, klappt es zu und sagt "So und das machen Sie jetzt erst auf, wenn Sie auf der Arbeit sind." Ich völlig baff:
"Das ist jetzt aber nicht, was ich denke, dass es ist, denn wenn es das ist, dann kann ich das nicht annehmen, so lieb das auch gemeint ist." "Doch, das können Sie, ich bin alt und habe mehr als genug, Sie aber kämpfen genauso wie mein Sohn und müssen jeden Cent umdrehen, mir tuts nicht weh und ich weiss, dass sies zu schätzen wissen."
Da war ich noch baffer, bedankte mich total verdattert und ließ es mir am Zielbahnhof nicht nehmen, der Dame wegen ihrer Gehbehinderung noch die Koffer in den nächsten Zug zu tragen. Das war ja wohl das Mindeste. Auf der Arbeit staunte ich nicht schlecht, fiel doch ein Fuffi ausm Buch. Die Geschichte war Tage lang der Burner im Laden.
Einige Zeit später war ich mit Freundinnen zu St. Patricks Day in einer unserer irischen Stammkneipen. Da fiel mir ein Typ ins Auge, an den ich mich langsam anpirschte. Leider war er grad einen Tag frisch getrennt, Mist, aber gut, dann eben nur nett unterhalten. Er erzählte mir von seinem tollen Job usw. und irgendwann meinte er zu mir, dass er öfter mal weggeht, da müsse er gut blechen, fünfzig Euro seien da nichts. Ja, meinte ich, bei mir geht das nicht, fünfzig Euro sind verdammt viel Geld. Da zückt er ein dünn gefaltetes Scheinchen aus der Tasche "Bitte nimm." "Hä? Äh, bitte wie?!" Bitte nimm, ist ein Geschenk. Mir bedeutet das nichts, ich verdien genug, und wenn Du sagst, das ist für Dich verdammt viel Geld, dann musst Du wirklich arg drauf schauen." Ich fühlte mich wie in einer Zeitmaschine und stand nur mit offenem Mund da, während meine Freundin sich hinter dem Kerl einen abzappelte und deutete "Jetzt nimm endlich, Du blöde Kuh!" Er drückte mir den Schein dann in die Hand und wollte dafür - nichts. Null, gar nichts. Gibts ja auch nicht oft.
Nach dieser Geschichte - die erste war in der Zwischenzeit von den Kolleginnen leicht angezweifelt worden - wollten plötzlich alle immer mit mir weg gehen.
Das nun sind nur zwei Geschichten, wie mir des Öfteren das Geld "auf der Straße begegnet", ob es mir nun geschenkt wird oder sich nackt auf dem Asphalt räkelt. Als hätte ich hierfür ein eingebautes Radar. Vielleicht sah ich aber auch einfach nur so bemitleidenswert aus?! Wenn das dabei herauskommt, na dann vergess ich mal schnell meinen Stolz. Vor Kurzem sass ich wegen einer Klientin mitten unter Obdachlosen und bewachte deren Hund. Ich trug saubere Jeans, ein schwarzes Jäckchen und sah auch sonst recht gepflegt aus. Kam eine Dame daher, die gerade eine Kleiderspende getätigt hatte, und drückte mir fünf Euro in die Hand, "für Ihren Hund." Ich dachte, ich spinn. Natürlich hab ich mich artig bedankt und die Dame entsprechend aufgeklärt, sie hats mir aber (denk ich) nicht geglaubt. Wie dem auch sei, ich gab das Geld artig der Hundemama weiter und beschloss, mal gründlich meine Garderobe zu überdenken.
Bleibt nur noch zu sagen, dass ich die zehn Euro heute liegen liess. Sie lagen auf den Tramgleisen, begrenzt von einer zweispurigen Straße. So gern ich sie mir wirklich gekrallt hätte, so ungern wollt ich mich zamschieben lassen. Da gibt es sicher andere, die sich wesentlich mehr freuen, wenn sie das Scheinchen irgendwann finden.
Man muss ja nicht immer alles einschieben.

Samstag, 13. November 2010

Die Frau - Das rätselhafte Wesen

Ich koche.
Nicht auf der Herdplatte.
Innerlich.
Bin total genervt, weil ich nicht so kann, wie ich will.
Doch fangen wir von Vorne an.

Soeben servierte mir das Leben (mal wieder) auf dem Tablett, dass Frauen nicht in der Lage sind, sich so wunderbar unkompliziert zu verhalten wie Männer. Männer nämlich, die sind in den seltensten Fällen hinten rum, machen keine Dramen aus kleinen Szenen und sagen Dir ins Gesicht, wenn ihnen etwas mal nicht passt. Gelegentlich - je nach Situation - hauen sie sich auch mal eins aufs Maul. Und gehen fünf Minuten später zusammen ein Bier trinken. Sache erledigt. Haken hinter. Prost.
Frauen dagegen sind in einer erschreckend hohen Prozentzahl weder in der Lage, zu ihren Ansichten und Meinungen zu stehen, wenn sie direkt unter Augenkontakt dazu befragt werden (virtuell zählt nicht!), noch schaffen sie es, mal geradeheraus ein "Nein" zu formulieren. Da wird geflunkert und geschwindelt, dass sich die Balken biegen. Da werden Territorien abgesteckt und Besitzansprüche gestellt, dass man sich fragt, Moment bin ich Deine Freundin oder Dein (erkauftes) Eigentum? Da wird verkompliziert bis zum geht nicht mehr, und während sich die Damen in immer grössere Knäuel aus Widersprüchen verstricken, stehen deren Männer daneben und schütteln verständnislos den Kopf, wie man sich sowas nur antun kann.
Das Problem ist, dass uns Frauen von klein auf eingeimpft wird, immer schön gefallen zu müssen. Sei artig, mach Dich nicht schmutzig, Du willst doch, dass Dich alle mögen?
Dinge, die Frau als Kind schon im Schlaf aufsagen kann.
Wieso verdammt sollte ich wollen, dass mich alle mögen?
Mag ICH denn etwa alle?
Und wollen DIE das überhaupt?
Na eben.
Trotzdem werden wir Gebärmutterträgerinnen quasi von Geburt an dazu erzogen, immer schön ruhig zu sein und die Klappe zu halten, die eigene Meinung zu sagen ist verpönt, dann hat Dich ja automatisch keiner mehr lieb. Psychodruck der feinsten Sorte, der mit schwarzer Tinte freimütig auf der blanken Seele eines Kindes herumschmiert. Es gilt schließlich nicht erst seit einem Herrn Bohlen, dass everybody's darling gleich everybody's a******h ist. Ha seht Ihrs? Ich trau mich nicht mal, auf meinem eigenen Blog dieses Wort auszuschreiben. Wieso? Könnt ja sein, dass ich Euch damit vergrätz. Frau, Du bist und bleibst ein Rätsel.
Zwar hab ich es nicht geschafft (wie soeben gesehen), mich von wirklich allem frei zu machen, was die Gesellschaft mir einst predigte, doch hatte es schon seinen Grund, warum ich, seit ich denken kann, fast immer nur mit Jungs abhing. Warum ich mit ihnen in der Ecke stand und lachte, fluchte und mich ab und zu mal prügelte, bis die Nase blutete. Wohlgemerkt nicht meine. Warum ich auf Indianer und Raumschiff Enterprise stand, mit Papa die Playmobil Ritterburg erstürmte oder statt Schnulzen lieber knallharte Action guckte. Wie oft wurde ich später von "Freundinnen" mit erster Liebe mitleidig von oben angeschaut, "Ach Emily, ist mal wieder nurn Kumpel?". Mein verwirrter Blick sprach Bände, und meine mehr als irritierte Antwort - "Ja. Und?"
Bei den Jungs, da gab es klare Regeln und Strukturen, keine versteckten Fallstricke und vor allem keine psychologische Manipulation. Frauen sind in sowas wahre Meister, ob sie wollen oder nicht. Ja, auch ich kann, wenn ich will, so richtig tief in die Trickkiste greifen. Das allerdings versuche ich soweit wie möglich zu vermeiden, einfach, weil es mich selber anspeit. Weil es mies und unfair ist. Und weil es sich einfach schlecht anfühlt, wenn man merkt, man wurde manipuliert. Wer sowas schon mal erlebt hat, der weiss, wovon ich rede.
Fakt ist, kaum eine Frau ist in der Lage, sich zu verhalten wie ein Mann, wenn es um eine Freundschaft geht. Da wird sofort geklammert und draufgesetzt, oh und macht ja nicht den Fehler, auch mal mit einer anderen wegzugehen. Böööses Foul. Eifersucht wartet gleich um die Ecke.
Männer, wollt Ihr wirklich wissen, warum Frauen immer zu zweit aufs Klo gehen? Ja, das tratschen und klatschen ist der Grund, der an der Oberfläche greift, und zugegeben auch seine Berechtigung hat (es macht ehrlich wirklich Spaß). Die tiefere Wahrheit aber ist - und ich bin mir ziemlich sicher, dass viele Damen das selber nicht mal wissen - dass es was mit Besitzanspruch zu tun hat. Es ist die Demonstration von Einheit und Macht. Nicht gegenüber dem Mann. Sondern gegenüber uns selbst. Glaubt Ihr nicht? Dann probiert doch das nächste Mal, wenn Ihr in ner größeren Runde mit Eurer Busenfreundin unterwegs seid, ihre Frage nach dem "Kommst Du mit aufs Klo?" zu verneinen. Beachtet dabei ihre Mimik. Merkt Euch genau die Sekunde, dieses klitzekleine Zögern, in der plötzlich Unverständnis in ihren Augen aufblitzt. Und wappnet Euch für das, was später kommen mag.
Gerade werde ich manipuliert. Oder zumindest versucht das jemand. Eine Freundin, von der ich das nie gedacht hätte, setzt sich grade auf mich drauf. Nimmt den gereichten kleinen Finger, schnappt sich sogleich den ganzen Arm, kugelt ihn aus und reisst ihn ab. Als Dank gibts noch nen blöden Spruch. Nun bin ich dabei, akribisch abzuwägen, macht sie das, ohne es zu merken, weil ihr die Freundschaft vielleicht mehr bedeutet als mir, oder ist es bewusstes Kalkül? Denn vorschnell möchte ich nicht urteilen. So oder so, ein Gespräch muss her, doch leider verhindern biologisch kritische Umstände ihrerseits, dass ich so ehrlich sein kann, wie ich möchte. Also heissts - diesmal aus Rücksicht auf ein neues Leben - wieder brav die Klappe zu halten. Meine Begeisterung ist schier grenzenlos...
Abschließend ist mir wichtig zu betonen, dass ich nicht verallgemeinern möchte, und dies hier einzig und allein meine persönlichen Erfahrungen wiedergibt. Denn es existieren durchaus Damen da draussen, die herrlich unkompliziert sind und für die Zickereien nur auf der Weide stattfinden.
Leider sind sie so selten wie Tulpen im Winter.
Schade eigentlich.

Donnerstag, 11. November 2010

In WHAT we trust?

Glaube - was ein heisses Eisen.
Ich würds ja eigentlich auch nicht anfassen, denn meiner Meinung nach darf, soll und kann jeder das glauben, was ihm persönlich gut tut, wenn er keinem anderen damit in irgendeiner Art und Weise schadet. Find ich persönlich ne gute Regelung, somit hab ich auch kein Problem mit Zeugen Jehovas oder solchen, die sich dafür ausgeben (*ironischerwinkmitdembetonpfeiler*), solang sie nicht vor meiner Tür stehen oder mir Wurzelbürsten verkaufen wollen. Womit ich allerdings ein Problem habe sind die Menschen, die so tief in ihren Glauben verstrickt sind, dass sie dadurch keinem vernünftigen, weltlichen Argument mehr zugängig sind. Und andere - zumeist Schutzbefohlene - mit ins bodenlose Unglück stürzen.
Gott, Allah, wie immer sie auch alle heissen, ob nur einer oder ganze Scharen, jeder, wie er glücklich wird. Auch, wenn das bedeutet, dieses Glück verkehrt sich ins Gegenteil. Ist okay, solang es nur einen selber betrifft. Anders siehts aus, sobald Zweite und Dritte betroffen sind. Kinder zum Beispiel.
Mir ist seit einiger Zeit an derart unfassbarer Fall angetragen, dass sämtliche betreffenden Institutionen nur noch mit den Händen ringen. Wir machen und tun, wir reissen uns die Beine aus, nur um am Ende jeden Tages zu sehen, dass wir unsere Hausaufgaben brav erledigt haben, und die Hauptperson sich hinstellt und sagt "Meine Hausaufgaben hat der Hund gefressen."
Nicht so tragisch, wenns wirklich um Hausaufgaben ginge, doch verheerend, wenns die Existenz betrifft. Was soll man da noch machen? Alle Methoden sind gescheitert, die sanfte, die harte, der Wattebausch, die Keule...
Jetzt sind wir an dem Punkt angekommen, an dem das Gegenüber meint "I trust in god and god will save me. I trust you and I do believe in miracles. I know that oh my trust will save me."





Ja da fällt mir so langsam nix mehr ein. Deshalb auch die vielen Leerzeilen.
Glaube ist was Wunderbares, er verleiht Kraft in schweren Zeiten und liefert für vieles, das sonst nicht erklärbar wäre, die ein oder andere Erkenntnis. Deshalb haben es Menschen mit Glauben im Leben auch nachweislich leichter als Agnostiker oder Atheisten.
Aber Gott zahlt nunmal keine Schulden.
Gott füllt Dir auch nicht den Kühlschrank.
Und Gott wärmt Dir im Winter erst recht nicht die Bude.
Das ist DEIN Job.
DEINER ganz allein.
Als Gott uns geformt hat, da gab er uns nämlich nicht nur die tolle Sache mit dem eigenen Willen, sondern auch zeitgleich die Verpflichtung mit, "Ich schenk Dirs Leben, aber meistern musst Dus selber."

Wunder gibt es immer wieder, das wusste schon die gute Katja. Wenn man unverletzt einen schlimmen Unfall überlebt. Wenn man nach zehn Jahren Lähmung plötzlich wieder laufen kann. Die Liste solcher Fälle ist endlos. Ich will mich jetzt nicht darin erbrechen, bis ins Kleinste penibel sämtliche Wahrscheinlichkeiten auszurechnen oder irgendwelche biologischen Möglichkeiten einzubeziehen, darum geht es hier auch nicht. "Als Wunder (griechisch thauma) gilt umgangssprachlich ein Ereignis, dessen Zustandekommen man sich nicht erklären kann, so dass es Verwunderung und Erstaunen auslöst. Es bezeichnet demnach allgemein etwas „Erstaunliches" und „Außergewöhnliches" (griech. thaumasion)." ( Quelle http://de.wikipedia.org/wiki/Wunder )...
Wenn ich meine Wohnung nicht verliere, weil dem Antragsteller wegen akuter Überlastung beim ausfüllen des Formblatts schlicht ein Versehen unterlief, indem er eine Angabe vergass, dann ist das KEIN Wunder. Es ist, wie schon geschrieben, auf menschliches Versagen zurückzuführen. Aber nein, höre ich schon besagte Partei, das ist ein Wunder und ich bin gerettet.
Ja genau.
Bis zum nächsten Termin.
Und welches Wunder meinste, kommt dann?
Gottes Geduldsfaden hat schließlich auch keine Endlosspule. Oder hätte er den Menschen sonst bestraft wegen eines popeligen Apfels?
Hier gilt ebenso:
Ein Wunder zahlt Dir keine Schulden.
Ein Wunder füllt Dir auch nicht den Kühlschrank.
Und Wunder wärmen Dir im Winter erst recht nicht die Bude.
Das ist DEIN Job.
DEINER ganz allein.

Wenn Du dann noch Kinder hast, die in Deinem fanatischen "Es wird schon alles gut gehen, denn I have trust"-Kosmos aufwachsen, fernab jeglicher Realität und bar jeden vernünftigen Handelns, dann glaube der alten Tante G, wenn die Dir sagt, dass Du demnächst mächtig auf die Fresse fliegst. Sag nicht, sie hätte sich nicht gekümmert. Und sag nicht, sie hätte Dich nicht gewarnt. Sie kann Dir nur den Weg ebenen - gehen musst Du ihn allein.

Tja soweit, so schlecht.

Ein Problem hab ich allerdings. Die Person, von der hier geschrieben steht, ist mir meines Empfindens nach nicht ganz eindeutig zuzuordnen. Bezüglich Herkunft und Religion.
Und so langsam befürchte ich, dass Zebrafinken und Hoppelhäschen neben ihrer Rolle als Spielgefährten für die Kinder noch eine ganz andere Funktion erfüllen. Nennt es Ahnung oder Respekt, aber mir schwant, so langsam sollt ich mir mal ein Gris-Gris besorgen.
Nur für den Fall, dass mich ab Ende nächster Woche ein plötzlicher, unerklärlicher Kopfschmerz befällt...

Dienstag, 9. November 2010

Strrrrrrrrrrike!

Yes. Gerade totales Bundy-Strike-Feeling.
Eine weitere meiner Kurzgeschichte wird in einer Anthologie veröffentlicht.
Solche schönen News bringen mir grad ein wenig Sonne in meine teilweise unterirdischen Tage.
Hier wie auch bei der anderen Erzählung gilt - in Bälde ein klein wenig mehr Infos. Habs nicht vergessen. Abern bisserl Spannung muss ja auch mal sein.

Montag, 8. November 2010

Wenn die Stunde schlägt

Schon wieder heute Nacht. Langsam könnt ich narrisch werden.
Punkt 3:00 Uhr schreck ich in den letzten Wochen regelmäßig aus dem Schlaf hoch und bin hellwach, egal wann ich ins Bett bin. Bis ich wieder einschlummere, dauerts dann seine Zeit. Die Träume, die danach kommen, sind meistens nicht von Pappe. So wie heute. Es war eine sehr bizarre Situation, in der ich plötzlich gelbliche Augen hatte (dank Spiegel im Zimmer sichtbar) und mit einer tief verzerrten Stimme sprach. Soweit ich mich erinner, war ich sogar männlich? Ich weiss nicht, ob er wieder da war oder einer seiner Spießgesellen, aber da war definitiv wer. Selbst der Mann hats gespürt...
War klar, die Ruhe vor dem Sturm hatte ja lange genug gedauert...
Um die Stunde 3:00 Uhr ranken sich diverse Mythen. Die Kirche sieht diese Zeit als Symbol für den Angriff auf die christliche Dreifaltigkeit. Ich gestehe, auf dem Gebiet nicht bewandert genug zu sein, um hierauf weiter eingehen zu können. Wer mehr weiß, bitte gerne melden.
Nach einigen Recherchen fand ich heraus, dass gerade zu jener Stunde viele Menschen sterben, die entweder das Alter dazu hatten oder unter einer langen Krankheit litten. Warum? Angeblich beginnt - abhängig von der Schlafenszeit - zwischen 2:30 Uhr bis etwa 04:00 Uhr die Zeit, in der "ein bereits geschwächter Kreislauf oder ein schon angegriffenes Herz in ein gefährliches Tief sinken können. In dieser Zeit - also am frühen Morgen - sterben die meisten Herz-Kreislauf-Patienten. Um diese Zeit passieren häufig Schlaganfälle, Herzinfarkte und ähnliche Ereignisse" (User quopiam über www.gutefrage.net). Ist natürlich keine einwandfreie, da laienhafte Erklärung, medizinisch möchte ich mich auch nicht dazu äußern (geht sowieso nicht, bin schließlich kein Arzt). Dennoch ist diese Erläuterung für mich relativ nachvollziehbar. Ja wirklich, trotz aller Mystik und Theorie bin ich für derartige Ausführungen durchaus zu haben.
Für mich persönlich gilt hier die gleiche Schlußfolgerung wie ein paar Posts früher für die "Gin Tonic"-Erfahrung
(http://thedarkworldofemilybyron.blogspot.com/2010/11/ein-systemabsturz-und-seine-folgen.html).
Gerade weil der Kreislauf in dieser Zeitspanne runterfährt, ist man stärker angreifbar als sonst. Das wiederum würde erklären, warum ich - im Moment vor Streß und Überarbeitung eh schon recht dünnhäutig - regelmäßig um Punkt 3:00 Uhr wach werde, gut schlagen wir hier fünf Minuten drauf und ziehen da zehn ab. Man kann jetzt auch nicht behaupten, dass ich mich drauf versteife und somit selbst programmiere, denn so richtig aufgefallen ist mir das ganze erst heute Nacht. Da purzelte ich aus dem Bett, tapste gen Handy und guckte verschlafen auf die Uhr, als mir schlagartig auffiel "Na super, schon wieder Drei." Dann ein wenig wachgelegen, wieder eingepennt und im Anschluss diesen merkwürdigen Traum. Erst heute Morgen bekam das ganze für mich ein Gesicht.
Was kann man daraus lernen?
Ist offenbar eine dieser Geschichten, an der mehr dran ist, als man vielleicht meinen möchte. Und es wäre wirklich verdammt nett, endlich mal wieder eine ruhige Nacht zu haben.
Ohne "Besuch" *grmpf*


Freitag, 5. November 2010

SM in der Twilight Zone

... und nein, ich mein damit nicht die Bis(s)-Reihe. Was derzeit bei mir in einer Woche abgeht, das erleben andere nicht in einem Monat. Ach, was red ich, in einem Jahr.
Womit anfangen?
Heute morgen wurde ich von einem Kollegen nach meinen Erfahrungen zu Halloween befragt. Hust. Hust hust. Naja, ich war ehrlich und hab ihm alles erzählt, auch dass ich am Ende fast nen Taxifahrer ausgeknockt habe (wollte an die Scheibe klopfen, aber hups, da war gar keine Scheibe). Das Gelächter war recht gross.
Guckt er mich an, ob ich nicht mal mit ihm in den **Club gehen will.
Ich "Bitte in den was?"
Er "In den **Club."
Ich "Wasn das?"
Er "SM-Szene."
Ich *klong*kuller*kuller* (meine Augen, die eben schnell rausgefallen sind).
Aber dann ich "Zeig mal."
Er also im Net gesucht und mir die Seite gezeigt. Voraussetzung für den Einlaß - Fetischwear.
Ich "Sowas hab ich doch net."
Er "Kleines Schwarzes reicht, das ist ohne Spielchen."
Ich "Ohne was?!"
Er "Na halt kein SM dargestellt, alle in Anzug und Kleidchen, lecker Cocktails (das Wort bekommt für mich grad eine gaaanz neue Bedeutung - Cock-tails...), die Szene feiert sich selbst, ganz bieder."
Ich "Öhm (bin etwas verdattert, aber einfach zu scheißeneugierig). Ja okay, bin dabei. Wenns harmlos ist, dann schau ich mirs gerne mal an. Neugier ist der Katze Tod."
Er "Deshalb hab ich Dich gefragt, ich wusste, Du wirst neugierig sein."
Ja. Auf die Szene. Der Rest ist nicht so meins. Aber mal schauen, vielleicht sind interessante Leute dabei.
Das war mein halber Vormittag. Später dann als moralische Stütze vor Gericht, was sich dann - wie befürchtet - von moralisch zu tätig umwandeln sollte, wogegen ich mich massivst verwehrt habe (hey - ich bin KEIN Anwalt). Die Verhandlung ging so oder so bescheiden aus.
Und dann der Abend. Der toppte alles.
Um 17 Uhr machten die Mädels und ich die Schotten auf der Arbeit dicht und dann gabs Sekt-Aperol mit diversen Nachos. Muss auch mal sein. Als wir uns verabschiedet hatten, zu einer christlichen Zeit um 18:15 Uhr, ging ich meines Weges, bis ich hörte, wie die Damen mir hinterher riefen "GlÜÜÜÜhwein!"... Ja soll ich da nein sagen? Später allerdings stellte sich raus, sie hatten das gar nicht gerufen. Sondern "StÜÜÜberl!" Weil neben unserem Büro eine kleine Kneipe ist (spart Euch jetzt bitte die süffisanten Bemerkungen). Ich hab dagegen Glühwein verstanden. Wir also ums Eck ins kleine Cafe, statt Glüh- dann eben Rotwein. Und wie wir da so sassen, bemerkten wir, wie das Lokal sich mit älteren Semestern füllte. Und einem Keyboardplayer, der sodann so dolle Hits wie "Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad..." spielte. Da ging die Rentnerpost ab, ich sags Euch. Als wir dann noch genauer hinschauten, was für ein Bär denn da steppte, da entdeckten wirs - das Wappen des lokalen Kaninchenzüchtervereins! Gibt es ein Klischee, was ich diese Woche nicht durchlebt habe? Aber es war einfach witzig. Der Pianoman hatte tatsächlich nur 10 Lieder auf der Pfanne, die er von vorn nach hinten und wieder zurück klimperte, und wir lachten uns nen Wolf. Irgendwann, als ich meine Blicke durch den Raum schweifen ließ, streifte ich versehentlich (!) einen älteren Herren mit Beatles-Pilzkopf (!), hellem Trenchcoat und Bill Cosby Pulli. Umgehend unterhielt ich mich wieder anderweitig, doch der Typ blieb stehen. Nach einer Minute blickte ich irritiert zurück, nur um ein anzügliches Augenbrauengewackel einzufahren. Börks. Da wurde mir schlagartig schlecht. Kein Witz. Das war der Moment, wo ich gehen wollte. Und ging. Man kann mir ja viel nachsagen, aber DAS ganz sicher nicht. Also verliessen wir gehen 21 Uhr das Cafe. Meine Kolleginnen hatten schon vorher gefragt, wo man denn noch weggehen könne. Ich meinte dann, na hier gibts heute irgendwo den Katzenclub, mehr weiss ich nicht. Daraus folgte dann alle 30 Minuten "Und wo ist nun das Katzenklo?" Ich sags Euch, zum Schluß hiess es, "Emily, wo isn das jetzt?" und ich "Nein, ich geh heute brav spießig heim, habs versprochen." Gesagt, getan. Brav.
Daheim angekommen in die Schnuriklamottten geschmissen, ach Pardon ich meine Negligé, erzähl dem Mann vom Tag und der sagt "Na wenn Du magst, dann geh doch noch raus."
???
Wer sind Sie und wo bin ich überhaupt?
Sind heute alle verrückt geworden?
Und ist die eine Dame wirklich vom Dach gesprungen?
Ach, von der hab ich Euch noch gar nicht erzählt?
Macht nix, der Radiofunk gab nix her, wird schon nix gewesen sein.
Was bleibt mir als Fazit für diese Woche?
Ein Glück, dass ich Montag frei habe.

Donnerstag, 4. November 2010

Eine schöne kleine Nachricht...

... lag gestern in meinem virtuellen Postfach. Eine meiner eingereichten Geschichten für eine Anthologie stiess beim zuständigen Verlag auf soviel Interesse, dass man mir noch vor Ablauf der Ausschreibung mitteilte, ich dürfe mich jetzt schon über meinen Erfolg freuen. Und da ich damit so gar nicht gerechnet hatte, tue ich das jetzt einfach mal. Also Achtung:

Das Dolle - ich darf Euch die Geschichte jetzt schon zeigen.
Wollt Ihr sie lesen?
Dann poste ich sie am Wochenende.

Mittwoch, 3. November 2010

John Wayne Gacy - Diggin' in the dirt

Manchmal fühle ich mich wie John Wayne Gacy. Nein, nicht verkappt männlich oder ephebophil (das Wort hab ich gerade neu gelernt). Vielmehr denke ich dabei an all die Leichen, die einst unter seinem Keller verscharrt lagen.
Wenn ich so auf mein kleines Leben zurückschau und dabei den Spaten der Erinnerung in manche Gedächtnisspalte schiebe, dann entdecke ich hier und da ebenso die ein oder andere, allerdings eher bildhafte Leiche. Manche fallen unter die Rubrik "Jugendsünde", wieder andere unter "Dummheit" und so einige tragen ganz banal die Bezeichnung "Oh man what the f***?". Jaha, Ihr würdet jetzt sicher gerne wissen, was Tante G bisher so getrieben hat, denn neugierig seid Ihr ja sowieso. Auf Anhieb fallen mir mindestens drei Dinge ein, deren blosse Erinnerung mir den Magen verkrampfen. Aber gut, ich war jung und für Finanzielles stets zu blöd. Okay, machen wir vier draus, von "Einfach peinlich" bis "Richtig bös", die ganze Bandbreite ist dabei. Ach verdammt, kaum denkt man dran, da kommen sie wie Zombies aus ihren Löchern gekrochen, all die peinlichen Erlebnisse, die man einst sorgfältig in Alufolie gewickelt in die hinterste Ecke des Hirns gestopft hat, in der irrisinnigen Hoffnung, Stanniol würde irgendwann verrotten - und der Inhalt mit dazu. Manch Folie wurde zwar in all den Jahren vom Unkraut des Alltags überwuchert, aber irgendwann kommt immer einer, der meint, er müsste mal im Dreck wühlen.
Was schreibt die da, höre ich Euch schon mosern, ja wir könnens nachvollziehen, aber wo verdammt bleiben ihre Geschichten? Sorry Leute, Ihr werdet verstehen, dass man manche Dämonen besser da lässt, wo sie ihr Zuhause haben. Nämlich unter den Dielen meiner imaginären Gruft.
Warum ich das hier alles schreibe (und dabei bei Euch vielleicht auch den ein oder anderen Gacy wecke)? Weil Leichen aus der Vergangenheit die beste Medizin dagegen sind, in Zukunft weitere zu produzieren. Gerade nämlich prasseln von vielen Seiten unzählige Dinge auf mich ein, und heidewitzka, manche schmerzen. Sogar richtig, richtig dolle. Je mehr es sind und je deutlicher sie auftreten, desto verwundbarer wird man früher oder später. So nach dem Motto, steter Tropfen höhlt den Stein. Hätte ich nicht aus den Leichen meiner Vergangenheit die ein oder andere Lehre gezogen, so würde ich mich - emotional wie ich nun einmal bin - umgehend verunsichern und in diese oder jene Richtung treiben lassen. Aber man lebt nicht, um zu kämpfen, sondern kämpft (manchmal), um zu leben. Ich kämpfe gerade gegen Vieles, sowohl in meinem Kopf als auch außerhalb. Und wenn das bedeutet, ich muss mich meinen Leichen stellen, nur um später das Richtige zu tun, dann muss ich dem Unvermeidlichen ins Auge blicken. Auch wenn ich lieber wegschauen würde.
Also dann Mr. Gacy, let's go diggin' in the dirt.

Montag, 1. November 2010

Ein Systemabsturz und seine Folgen

Zweimal im Jahr erwischt es mich. Da kann ich mittlerweile die Uhr nach stellen, verteilt auf beide Jahreshälften. Einmal zwischen Januar und Juni und einmal zwischen Juli und Dezember. Dann ist alles zu spät und meine Leber quittiert ihren Dienst. Letztes Wochenende wars mal wieder soweit und in charmanter Gesellschaft angeregt plaudernd (ja, genau Euch meine ich, die Herren) merkte ich gar nicht, wieviel Gin Tonics mir da die Kehle runter liefen. Wobei ich mich gar nicht so schlecht fühlte, selbst das Karusselfahren im Bett blieb aus. Die Rechnung bekam ich dann am selben Tag ab 11:30 Uhr, wobei sich auch das in Grenzen hielt. Schlimm wurds erst kurz nach 19 Uhr, aber keine Ahnung wieso. Da bin ich eben mal schnell gestorben. Die Azubis des Todes (zwinker) bräuchten dringend noch mal eine Einweisung, entweder ganz oder gar nicht, aber da fühlte ich mich wie ein Kaninchen im Versuchslabor, mit Elektroden im Gehirn und stetig unter Strom stehend.
Trotz allem - nein, ich sprach sie nicht, die magischen drei Worte. Weil ich mich eh viel zu gut kenne und einem leckeren Tropfen sowieso nicht widerstehen kann. Zumindest, solange keine medizinische Indikation vorliegt. Naja, eigentlich täts das bei mir schon, aber man kann ja nicht immer wie ne Betschwester leben.
Was mich gestern allerdings dazu bewogen hat, selbst diese zwei Abstürze im Jahr zu überdenken, waren nicht die körperlichen, sondern vielmehr die mentalen Folgen. Mit Promille ists ja wie mit einer Grippe, man wird angreifbar, verletzlich und kann kaum kontrollieren, wen oder was man zu sich durchlässt. Schutzschild aktivieren, Mr. Sulu! Doch zu stark war meine Enterprise beschädigt von den flüssigen Klingon Bird-of-Preys in meiner Blutbahn, so dass sie hundertfach auf mich hereinprasselten wie Regentropfen auf die Blätter einer Eiche, im Sekundentakt wechselnd und alle wild durcheinander schreiend.
scarde
Jeglicher Abwehrmechanismus ausser Kraft gesetzt tat ich das Einzige, was mir noch blieb, um dem ganzen Chaos zu entkommen - ich "programmierte" mich in den Schlaf. Ist wie eine Art Selbsthypnose, man könnte auch Minimeditation sagen. Wie auch immer, es half und ich hatte meine Ruhe.
Heute lautet mein Resümee, dass ich - trotz all dem Spass - schon lange nicht mehr so angreifbar war und mir das in Zukunft nicht noch einmal passieren darf. Nicht wegen der Miez, die mir am nächsten Tag weniger im Kopf, als viel mehr im Magen lag, sondern wegen der unbeabsichtigten Permeabilität.
So und nachdem nun auch diese Lektion gelernt ist, geht es jetzt erstmal in die Küche.
Bisserl was zu mampfen jagen.
Aber bitte schööön fettig.

huhnr