Donnerstag, 30. Dezember 2010

Satanische Zahlen oder Die Angst des Gothics vor dem Bausparer

Es ist jetzt fast zwei Stunden her.
Noch immer rast mein Herz in wilder Angst, meine Knie schlottern und auf meiner Brust liegt ein Zementblock, der mich zu einer überschnellen Schnappatmung zwingt.
Heute war es soweit - Tante Gothi holte sich nen Barsparvertrag.
An und für sich nichts Dramatisches, die Leute, die keinen haben, sind mittlerweile rar gesät. Nennt mich Spießer, nennt mich Graumaus, aber irgendwas muss man schliesslich tun. Lebe heute, spare später - nur was, wenn dann nix mehr über ist? Nein, so wurd es vor einiger Zeit beschlossen, die Tante geht jetzt und sorgt (weiter) vor.
Nun muss man allerdings wissen, dass es - und ich werde mich hier jetzt gleich uhuhunglaublich peinlich entblöden - zwar kaum etwas gibt, dass mich richtig aus den Schuhen wirft.
Zum Beispiel nicht der Klient gestern, der während des Gesprächs plötzlich zwei epilepsieähnliche Anfälle erlitt und wie wild mit Kopf und Körper gegen die Wand donnerte. Ich dachte bis soeben noch, das hätte mich wirklich fertig gemacht und ja, ich brauchte gestern eine Flasche Rotwein, um das Gesehene zu verdauen. Mann, ich hatte ja keine Ahnung...
Auch nicht der Kriegsveteran aus dem Kosovo, der mir heute rüpelhaft (wenn auch eher gedankenlos) mit seinen 1,90m Muskelmasse galant in einer "Siehste!"-Bewegung derart eine aufstrich, dass mir jetzt noch die Schulter weh tut, und nur wenige Augenblicke später mit dem Ausruf "Kopf kaputt!" flashbacklike wie Owen in Grey's Anatomy das Telefon derart gewaltsam in die Halterung drosch, dass ich es vorzog, alles runter und die Tür hinter mir ins Schloss fallen zu lassen. Nein, auch da dachte ich, poah die Härte, jetzt kann Dich echt nichts mehr erschüttern. Falsch gedacht.
Statt dessen lehrten mich heute ganze 160cm, nett verpackt in einem adretten Kostümchen, mit je einem Glitzerringlein an den manikürten Pfötchen, wo das Grauen zuhause ist.
Ich bin ein Zahlenlegastheniker.
Gebt mir eine Sprache, egal wie schwer, und ich lerne sie in fünf Wochen in Wort und Schrift so gut, dass man mich einfach ins jeweilige Land schicken kann mit der Auflage, ohne Englisch auskommen zu müssen.
Aber Zahlen...
Algebra war für mich der Horror. Denn Zahlen - ein Fressen für jeden Gehirnforschungsfreak - sind für mich räumlich. Und sie laufen auf einer Reihe, die nach jeder Zahl mit "6" einen Absatz macht und unter der letzten "5" weitergeht. Ja ich weiss, das kann keiner verstehen. Genausowenig, dass Wochentage für mich farbig sind, aber das nur nebenbei. Und eben weil Zahlen für mich dreidimensional sind, war ich hingegen in Geometrie immer ein Champ.
Oh Stochastik. Wie hab ich das geliebt. Nicht. Die einfachsten Dinge mutierten für mich zu wahren Stolperfallen, aber die schwierigen Aufgaben, die auf den einfachen basierten und alle anderen zum schwitzen brachten, die löste ich wiederum mit Leichtigkeit. Mit frei gewählten Zahlen versteht sich. Die richtigen hatte ich ja nicht. Meine Lehrer haben mich verflucht. Und trotzdem war es schlußendlich richtig. Aber nun genug davon.
Anhand dieser Erklärungen ist es Euch nun sicher ein Leichtes, Euch folgende Szene auszumalen:
Tante Gothi hockt verängstigt auf dem billigen, kleinen Metallstuhl mit dem dünnen Lederbezug und weiss genau, was sie will. Sie hat sich ja vorher informiert. Diese Summe mit diesem Sparbetrag, und dazu bitte das und das wars.
Die 160cm, freundlich lächelnd und lieblich säuselnd, stellten mir daraufhin zigtausend Fragen, die mir nach nur zwei Minuten bereits den kalten Schweiß auf die Stirn trieben. Ob ich nicht diesen Zusatz und jenes haben will, und überhaupt die Zinsen seien da grad so gut. Sie bombardierten mich mit Fachausdrücken und gefühlten Hochleistungsrechenaufgaben, dass ich locker 75% (ja, DAS kann ich gerade noch) von dem, was sie sagten, nicht verstand und nach weiteren drei Minuten ungelogen merkte, wie mir das Atmen immer schwerer fiel. Als würde sich jemand auf meine Brust setzen und mir die Lunge zusammendrücken. Panik wallte in mir auf und nach nochmal zwei Minuten war ich drauf und dran, aufzuspringen und zu laufen. Es schoß mir wie ein Maschinengewehr durch den Kopf "Flucht, hinter Dir ist die Tür, lauf, lauf, und blick nicht zurück!" Da war es an der Zeit, dass ich Klartext sprach und die 160cm gehetzt anrauschte - dass es sicher nachteilig für mich sei, aber ich sei nunmal ein Zahlendepp, und wenn sie jetzt nicht gleich das machen, was ich will, dann würde ich laut schreiend aus dem Büro rennen und nie mehr wiederkommen. Ihr wisst ja, Augen lügen nie. Da waren die 160 cm doch recht erschrocken und fertigten sogleich mit flinken Fingerchen den zu Anfang gewünschten Vertrag an. Ich machte mir nicht mehr die Mühe, alles zu kontrollieren. Als ich die Widerrufsmöglichkeit von 14 Tagen sah, schmiss ich nur noch meinen Willi drunter und tat das, wonach mein im Schraubstock gefangenes Herzelein schon die ganze Zeit verzweifelt schrie - ich lief. Lief den ganzen Weg nach Hause, auch wenn ich heute schon 4 Stunden durch die Kälte gestapft war und mir mit dem Bus locker 40 Minuten hätte sparen können. Ich musste an die frische Luft, musste rennen, um den Schmerz aus meiner Brust zu kriegen.
Geklappt hat es leider nicht so ganz.
Die Marter ist jetzt über zwei Stunden her und ich habe immer noch Probleme beim atmen.
Ich glaube, ich hatte heute meine erste richtige Panikattacke.
Verursacht von 160cm im Karokostüm.
Der Teufel ist manchmal wirklich ein Eichhörnchen.

aaa

Mittwoch, 29. Dezember 2010

Der gute Mensch

Es gibt ihn.
Heute habe ich ihn gesehen.
Er ist keine Figur wie der Sasquatch oder der Yeti, und lebt in der Regel nicht vollends behaart in völliger Isolation. Aber ihn zu finden, das gleicht trotzdem einem wissenschaftlichen Wunder.

Wir alle bezeichnen uns als gut. Nun ja, die meisten von uns, mehr oder weniger. Und die, die sich als abgrundtief schlecht vermarkten, tja die nuckeln sowieso heimlich nachts am Daumen.
Aber was ist es, das uns als gut oder schlecht markiert, und wieso denken wir, dass wir uns diesen Stempel selber aufdrücken müssten?
Gibt es überhaupt gut und schlecht, oder müssten wir nicht eher umdenken in Mensch und Unmensch?
Und falls ja, was ist dann was?
Denn manchmal ist das, was menschlich ist, grausamer als alles, was man fürchtet...

Heute erlebte ich wahrhaft Gutes in einer ungeahnt schlimmen Situation, und wäre dieser Mensch nicht gewesen, ich hätte nicht gewusst, was ich heute dann (noch) vorgefunden hätte.

Gut ist man nicht, wenn man jeden Monat ein paar Kröten anonym auf ein Konto schickt, in der Hoffnung, sie mögen den Bedürftigen zugute kommen, und sich dann selbstbeweihräuchernd auf die Schulter klopft "Ja, grad DIE 5 Euro habens ganz sicher gebracht!"
Gut ist man nicht, wenn man kopflos fragend durch die Gegend läuft "Ich wär ja sooo gerne wohltätig, aber es gibt soviel, was soll ich denn am besten tun?"
Verdammt, karitative Einrichtungen sind keine Shoppingmeile, in der man sich nach Belieben mit Accessoires eindecken kann, die gerade farblich zur Stimmung passen!

Wer etwas tun will, der labert nicht - der macht.
Und das bedeutet nicht, schnell mal nen Fuffi an irgendeine Stiftung zu schicken.
Es bedeutet, verantwortungsbewusst die Augen zu öffnen und sich mal in der näheren Umgebung umzuschauen. Vielleicht fällt einem dann ja auf, dass der Nachbar, der eh schon so klapprig war, in der letzten Zeit gar nicht mehr vor die Tür gegangen ist.
Was kostets Euch, mal zu klingeln und zu fragen, ob noch alles in Ordnung ist?
Was wäre das Schlimmste, das passiert?
Ein Anschiss und eine zugeknallte Tür? Und wenn schon.
Was wäre das Beste, das passiert? Ein dankbarer Mensch, der zwar nicht weiss, wie er mit seiner unheilbaren Krankheit weiter leben soll, aber dem ihr dafür allein mit Eurer Fürsorge ein kleines Licht in der sonst so dunklen Einsamkeit entzündet habt.

Geht raus.
Schaut links, schaut rechts.
Traut Euch, mehr Courage zu zeigen und nicht nur mit Kopfhörern stur an Anderen vorbeizulaufen. Es geht nicht darum, Eure Nasen in fremde Angelegenheiten zu stecken. Es geht darum, ein Signal zu setzen - Du bist nicht allein.
Ob Euch das zu einem guten Menschen macht und Euer Karma kosmisch pusht, das vermag ich nicht zu sagen.
Aber eins kann ich Euch versprechen - es wird Euch seelisch bereichern.

Gute Taten haben rein gar nichts mit Kreditkarten und Kontoauszügen zu tun.
Sie sind ein nettes Wort, eine mitfühlende Geste, ein warmes Essen an kalten Tagen.
Und sie sind so einfach zu vollbringen.
Denn gute Taten beginnen vor der eigenen Tür.

Dienstag, 28. Dezember 2010

Auserwählt - Der Podcast

Mann Mann Mann, wenn mich Caro nicht gerade daran erinnert hätte, ich hätte es tatsächlich vor lauter Arbeit und Kopfschwirren vergessen *doh*

Wer lieber hört als liest, der sollte sich den Freitag, den 07.01.2011 schon mal rot im Kalender anstreichen. Denn ab 11:00 Uhr (und fortan immer wieder abspielbar) liest Zauberstimme Rena Larf ein Kapitel aus "Auserwählt - Die Linie der Ewigen" unter

http://de.1000mikes.com/show/alpha__channel

Wer von Euch Glücklichen der Premiere lauschen wird, dem wünsche ich viel Spaß. Ich kann leider nicht hören. Ist aber nur halb so schlimm. Dank Podcast kann ichs auch später noch in Ruhe geniessen.

Danke Mädels!

grouphugg

Sonntag, 26. Dezember 2010

Noch eine Weihnachtsüberraschung!

Soeben frisch aus dem tiefsten, schneeversunkenen Süden nach Hause gekehrt, wartete in meiner Mailbox eine Anfrage zu einem Interview. Moi war erstmal so verdattert, dass ich die Mail zweimal lesen musste, um zu kapieren, was drin stand. Im Anschluss fiel ich sofort über die Rezension her. Tja was soll ich sagen, mir kribbelte der Magen und meine Haare stellten sich auf. Die auf dem Kopf. Weil ich mich so sehr gefreut habe. Lange Rede, kurzer Sinn:

http://www.leser-welt.de/index.php?option=com_content&view=article&id=3427:auserwaehlt-die-linie-der-ewigen-emily-byron-band-1&catid=35:fantasy&Itemid=134

guckstdu

So langsam fange ich doch wieder an, an den Weihnachtsmann zu glauben...

Donnerstag, 23. Dezember 2010

Kleine Weihnachtsüberraschung


Gerade frisch vom Aufhübschen beim Friseur zurück (Farbe, endlich wieder Farbe!), entdeckte ich ein Packerl auf der Treppe.
Hä?
Oh!
Da hatte ich ja gar nimmer dran gedacht.
Die Anthologie ist klasse geworden!
Danke Carola, danke Hierreth Verlag ♥

Samstag, 18. Dezember 2010

Von der Macht der anderen Seite

Diesen Post habe ich schon vor einigen Stunden geschrieben und lange mit mir gerungen, ob ich ihn wirklich veröffentlichen soll. Er bietet diesmal einen etwas ernsteren Einblick in mein Leben und für solche, die mir nicht wohlgesonnen sein könnten sicher eine willkommene Angriffsfläche. Aber dann habe ich mich gefragt, kümmerts mich denn, was Andere denken? Die Antwort - nur dann, wenn sie mir persönlich was bedeuten. Diejenigen von Euch, die diesen Blog lesen, lesen ihn zudem aus Interesse und nicht, weil sie auf irgendwelche Entgleisungen meinerseits lauern (falls doch - please, get a life). Von daher habe ich mich entschlossen, Euch einmal etwas genauer hinter die Kulissen blicken zu lassen. Was Ihr damit macht, liegt ganz allein bei Euch...

Derzeit ist es wieder soweit - man verfolgt mich in der Nacht, und mindestens einmal schrecke ich hoch, fummle in Panik das Licht an und brauche dann eine ganze Weile, bis ich mich wieder beruhigt habe. Seit zwei Nächten nun "geniesse" ich anstatt erholsamen Schlafes wieder die schlimmsten Traumattacken. Es ist schwierig, sie Außenstehenden zu beschreiben beziehungsweise sie ihnen ansatzweise verständlich zu machen, denn wenn man so etwas nicht selber erlebt hat, kann man es nur erahnen, aber nicht wirklich nachfühlen (ich würde ja auch nie behaupten, zu wissen, wie sich jemand fühlt, der beispielsweise nach einem unverschuldeten Unfall mit lebenslangen Schäden geschlagen und dadurch in die Armut abgerutscht ist).
Soeben habe ich meinem Mann berichtet, was sich heute Nacht zugetragen hat. Zum Einen, weil er mir zwar nicht helfen kann, aber einfach zuhört. Auch das ist irgendwie schon eine kleine Hilfe. Und zum Anderen, weil er dieses Mal selber eine tragende Rolle gespielt hat. Oder auch nicht, da bin ich mir nicht wirklich sicher. Jedenfalls hat er erst gelacht, dann große Augen gemacht und gesagt "Das ist wirklich Wahnsinn, was bei Dir passiert. Wo kommt das nur her?" Tja, die Frage war eher rhetorisch, die Antwort kennen wir eigentlich beide, aber immer schön der Reihe nach...
In meinem Traum erhielten mein Mann und ich eine Einladung der katholischen (ja, es war konfessionsbezogen) Kirche. Zu einem Essen. In der Kirche selber. Öh... ja. Mir kam das schon etwas merkwürdig vor, doch mein Mann wollte unbedingt hingehen. Auch dieser Umstand mehr als seltsam. Ich persönlich fühlte mich bei der Sache gar nicht wohl, aber ein braves Frauchen macht in einer Ehe schon mal ab und zu nen Kompromiss und steckt zurück. Also gingen wir in diese Kirche. Das gesamte Schiff war umgebaut zu einer Art Gasthaus und hatte einen gewissen Mittelalterstil. Dort angekommen stellte sich heraus, dass das "Essen" zu Ehren (?) eines Leichnams stattfand. Nun ja, eben ein ungewöhnlicher Leichenschmaus, warum nicht. Als ich die Leiche dann allerdings sah, wusste ich schlagartig, dass hier was nicht stimmt. Der Verstorbene war ein vielleicht gerade mal zehn Jahre alter Bub, dessen sterbliche Überreste schon fast vollkommen verwest waren. Um den Anblick erträglicher zu machen, hatte man ihn mit Wachs überzogen und "konserviert", man kennt das ja von manch ausgestelltem Heiligen. Ich persönlich habe mit sowas kein Problem, doch empfand ich das ganze nicht als passendes Ambiente, um eine Art "Live-Festschmaus" zu begehen. Umso schlimmer, als sich heraus stellte, dass der Bub sexuell missbraucht und anschliessend ermordet worden war. Ich weiß noch genau, wie ich mich im Traum fragte, wie mein Mann das ganze Brimborium dieser Kirche nur gut heissen konnte. Für mich war es im wahrsten Sinne unverständlich und geschmacklos. Langsam dämmerte es mir, dass das vielleicht gar nicht mein Mann sein könnte, der mir gegenüber saß, sondern ein bestimmer Platzhalter...
Den Rest gab mir dann, als ich bemerkte, wie sich, je mehr mein Mann von seinem Teller verputzte, hinter ihm allmählich die Wachsschicht vom Leichnam löste und die Verwesung zu Tage trat. Da stand ich auf und gab vor, auf die Toilette zu müssen. Leider konnte ich sie nicht finden (na diese Traumsequenz kennt wohl jeder), landete irgendwann in einem Hinterhof und später quasi im Keller der Kirche, der einerseits hell erleuchtet und gleichzeitig auch rabenschwarz war. Dort unten lauerte etwas, wartete auf mich und sah in mir seine Chance, aus der Dunkelheit herauszukommen. Ich nahm die Beine in die Hand und lief wieder hoch ins Kirchenschiff, hinaus ins Freie - und wachte auf.
So, nun erstmal kurz durchschnaufen (ich denke, man kann jetzt einigermassen nachvollziehen, warum ich generell sehr viel Schlaf brauche. Über die Hälfte meiner Zeit, die ich mit schlafen verbringe, ist von solchen Erlebnissen geprägt und deshalb nicht die Bohne erholsam).
Träume bzw. Attacken dieser Art verfolgen mich schon seit meiner frühesten Kindheit. Ich habe noch so viele davon als Erinnerung auf ewig auf meiner internen Festplatte gespeichert, damit könnte ich allein ein ganzes Horrorbuch füllen. Mancher Hobby-Freudianer könnte sich jetzt genussvoll in diversen Theorien wälzen und Vermutungen über meine Kindheit anstellen. Ein gut gemeinter Rat, spart Euch diese Mühe. Ich weiss genau, woher diese Sachen kommen und sie haben ganz und gar nichts mit meinem jetzigen Leben zu tun. Meine Kindheit war knorke, meine Eltern haben mich ganz doll lieb und sind auch heute noch verheiratet. Dinge, die so nicht jeder von sich behaupten kann. Der Schlüssel liegt im Vergangenen und es hat eine ganze Weile, viele Anstrengungen und eine stundenlange wie psychisch grausame "Sitzung" gedauert, bis ich ihn gefunden hatte. Genaueres möchte ich nicht daüber schreiben, vielleicht ein anderes Mal, wenn ich das Gefühl habe, die Zeit ist endlich reif dafür. Was ich Euch sagen kann, ist, dass ich die Geschichten von einem früheren Leben einst gerne hingenommen, aber nie so richtig ernsthaft erwogen habe. Bis zu dem Tag, an dem ich mittels einer ganz speziellen Nachricht erkennen musste, hoppala, dem solltest Du jetzt doch mal nachgehen. Es muss - wie mein Mann oben sagte - schießlich irgendwo herkommen, dass ein (damals) vierjähriges Kind schon regelmässig von Blut, Eingeweiden und grausamsten Wesenheiten unbekannter Art träumt. Und nein, meine Eltern haben mich damals nicht Alien gucken lassen. Gut, sie haben mich mit auf die Jagd genommen, was mich sicher nachhaltig geprägt hat in Sachen Innereien und Co. Dennoch ist die Komplexität und Regelmässigkeit der damaligen Träume wie auch die Tatsache, dass sie auch 30 Jahre später noch beständig auftreten, vielmehr ein Indiz dafür, dass einst eine Tür geöffnet wurde, die seitdem nicht mehr richtig schließt. Ein Indiz, das sich mittlerweile (leider?) bewahrheitet hat und verbucht werden kann unter dem Titel "Die Geister, die ich rief"...
Mit dieser Erkenntnis habe ich mich vor Langem abgefunden und lebe nun damit, dass es manche Nächte gibt, die wunderbar sind, denn die Kontakte jeglicher Art verlaufen harmonisch und einvernehmlich. Und dann gibt es auch wieder Nächte, wo das, was hinter der Tür lauert, echt scheiße gelaunt ist und gleich noch einen Kumpel mitgebracht hat, der in mir als Tor ins Diesseits eine Riesenchance für sich sieht und umso intensiver nach mir greift. Das sind dann die Phasen, in denen ich am Abend das ein oder andere Glas Rotwein brauche, um wenigstens einigermassen meine Ruhe zu finden. Dabei ist es wichtig, genau das Level zu halten, welches mich so betäubt, dass ein Kontakt nicht möglich ist. Der Grat ist extrem schmal, denn - wie bereits in "Ein Systemabsturz und seine Folgen" geschrieben - ein zuviel an Alkohol fährt mein Schild wieder so weit runter, dass nicht nur einer oder zwei, nein gleich alle, die gerade da sind, mit voller Wucht auf mich einstürzen. Das Geschrei ist dann nahezu ohrenbetäubend und manches, was mir gesagt wird, will ich beim besten Willen gar nicht hören.
Den heutigen Traum betrachte ich im Nachhinein als eine Art Messe zur Anrufung einer Energie, allerdings kann ich nicht sagen, ob sie in den Körper des Jungen schlüpfen sollte oder gar dessen Seele selber war. Auch vermag ich nicht zu beurteilen, ob es eine schwarze Messe war, denn nicht alles, was grausam anmutet, ist gleichzeitig schlecht und schwarz. Es gibt da so viele feine Abstufungen, dass man schon sehr vorsichtig beim Auftragen dieses Stempels sein muss. Fakt ist, dass mal wieder ich auf irgendeine Art und Weise als Katalysator dienen sollte und mein Mann nicht wirklich mein Mann war, sondern jemand, der mich so zum Ort des Geschehens köderte.
Wenn ich eins in den letzten Jahren gelernt habe, dann im Traum rational zu denken und mir bewusst zu sagen "Das ist gerade nur ein Traum, Du kannst ihn selbst beinflussen." Zugegeben, leider gelingt mir diese Manipulation nicht immer, denn wenn Gefühle wie Angst und Panik regieren, hat klares Denken keine Chance. Doch wenn ich von fünf Träumen vier kontrollieren kann, ist das ein nicht gerade schlechter Schnitt. Der fünfte Traum allerdings, der rächt sich dann für die anderen vier.
Man merkt, ich bin noch aufgewühlt. Nun warte ich gespannt auf eine bestimmte Lektüre, die dieser Tage eintrudeln wird. Von der erhoffe ich mir ein wenig mehr Hintergrundinfos allgemein wie auch den ein oder anderen Rat.
Jedenfalls, so lange mir diese Träume nicht ausgehen, so lange werde ich auch darüber reden und schreiben. Irgendwie muss ich ja damit klar kommen.
Ein Ende ist nicht absehbar...

Dienstag, 14. Dezember 2010

364 Tage

Eigentlich hatte ich Euch soeben ein Gedicht mit all meinen Gedanken zum heutigen Tag geschrieben. Eine Reflektion der letzten 364 Tage, eine Kurzfassung dessen, was alles passiert ist.

Gerade, als ich es veröffentlichen wollte, stürzte mir der Post ab. Trotz Speicherung - alles futsch.

Ob es vielleicht jemandem nicht gefallen hat, dass ich so manch Verborgenes mit Euch teilen wollte? Wenn dem so ist, dann will ichs auch nicht herausfordern und fasse mich ungereimt kurz:


364 Tage voller Veränderung

364 Tage voller Neuerung

364 Tage voller Kreativität

364 Tage back to the roots

364 Tage, die es einfach in sich hatten.


Auch, wenn ich etwas traurig bin, ab dem heutigen 365ten Tag keine Schnapszahl mehr zu sein - auf dass das neue Jahr das vergangene um Längen schlägt.



Montag, 13. Dezember 2010

Treu wie eine Kakerlake

Wäre es nicht eine Szene wie aus einem billigen Hollywood-Spaßfilm, man müsste eigentlich heulen. Oder sich gruseln (das schon eher). Ich dagegen musste einfach nur (hysterisch) lachen, als mir ein Bekannter berichtete, was sich heute im Büro bei ihm zugetragen hatte. Bitte stellt Euch folgende Szene vor:

Ein Antragsteller setzt sich gegenüber meines Bekannten am Tisch hin.
Dieser fragt nach dessen ausstehenden Unterlagen.
Der Antragsteller reicht ihm einen Umschlag.
Mein Bekannter wundert sich, dass der Umschlag nicht völlig glatt ist, sondern leicht verbeult.
Als er ihn an der offenen Seite nach unten hält, um die Dokumente zu entnehmen, purzelt eine Kakerlake heraus.
Eine tote, wohlgemerkt.
(Eine weitere - lebendige - hatte es sich derweil bereits zu den Füssen des Klienten gemütlich gemacht).
Mein Bekannter schaut den Antragsteller an, der Antragsteller schaut zurück.
Mein Bekannter nimmt wortlos die Unterlagen und schiebt damit die tote Kakerlake langsam über den Tisch auf die Seite des Klienten. Ist genau betrachtet ja schließlich sein Eigentum.
Der Klient nimmt die Kakerlake, hebt sie hoch - und steckt sie in seine Jackentasche.
Gute Freunde kann eben niemand trennen.


Samstag, 11. Dezember 2010

Helden des Wochenendes

Meine persönlichen Helden des Wochenendes, ohne Gewähr oder Allgemeingültigkeit, nur für mich bestimmt und deshalb mit ein klein wenig Stolz versehen:




Held #1
Der Schwiegertiger
Weil er mir gestern doch noch zumindest eine mikroskopisch kleine
Weihnachts-
stimmung verschaffen konnte, so dass ich mich zu einer rudimentären... naja eher Winterdeko überwunden habe.





Held #2
Mein Mann
Weil er schon im Oktober wieder unseren Weinvorrat aufgestockt hat mit der Begründung "Damit Du gut über den Winter kommst."
Fast hätte er den Titel wieder abgeben müssen, hierzu siehe Foto 3.






Held #3
Meine Wenigkeit
Weil ich
-ein wenig aus meiner Weihnachtsmuffelstimmung raus bin (aber nurn klitzekleines bisschen) und
-meinen Eltern einen absolut abgefahrenen Baumschmuck besorgt habe (gibt Fotos, wenns soweit ist)
-wieder in ein Kleid passe, dass ich auf einer Hochzeit vor 2 Jahren mal getragen habe (Dank geht hierbei an 2 Wochen gesundes Thai-Essen und die Lebensmittelvergiftung)... hoffentlich bleibts nun dabei. Hierbei hätte der Mann fast seinen Titel verloren, als ich im Rausch der Gefühle beinah ein zweites Kleid gekauft hätte, indem er mich fragte, wann ich denn gedenke, sowas mal zu tragen *hmpf*
-es heute endlich geschafft habe, meinen inneren Schweinehund zu überwinden und an der Fortsetzung von "Auserwählt" weiterzuarbeiten. Die entwickelt sich nämlich so, wie es überhaupt nicht gedacht war, und das macht alles soviel komplizierter und schwieriger. So wie das Leben eben ist. Möglich wurde das aber nur Dank der

Helden #4
Three Days Grace
Weil mich deren Song "World so cold" heute in die richtige Stimmung versetzt hat, das nächste Kapitel anzugehen.
Gäbe es den Titel "Unheld des Wochenendes", so würde ich ihn an Sony verleihen, da mittlerweile fast alle Videos von TDG bis auf ein paar maue Livemitschnitte bei Youtube gesperrt sind oder man die Fanvideos nicht mehr einbetten kann. Entsprechend hier der Link auf die Homepage der Kanadier, sobald Ihr sie anklickt hört Ihr automatisch den betreffenden Song:


Insgesamt alles nur kleine Belanglosigkeiten, aber sie mussten mal gesagt werden. Jeder von uns benötigt schließlich ab und zu mal ein kräftiges Eigentschakkaaa!


Freitag, 10. Dezember 2010

Der Zauber der Zwölften

Dieses Jahr ists bei uns nicht so mit Weihnachten. Eigentlich nimmt es von Jahr zu Jahr immer mehr ab, vorletztes Jahr wurde der Echt- durch einen täuschend echt aussehenden Kunstbaum ersetzt, letztes Jahr gab es nicht mal den und dieses Jahr ist das höchste der Gefühle die Verwendung von zwei Weihnachtskaffeetassen und einigen Teelichtern. Es ist uns einfach nicht danach.
Was mir persönlich allerdings im Gegensatz zum Ehemann sehr gut gefällt, ist der Schnee bzw. dem Fallen der Flöckchen zu zuschauen. Nun, wenn man Urlaub hat und die Füsse mit einer Wärmflasche unter die Decke stecken kann, ist das sicher nachvollziehbar. Dazu den Honigtee im Tässchen und den Lappi auf dem Schoß, surfte ich in Erinnerungen schwelgend gerade nochmal im Krampuspost des schwarzen Planeten (findet Ihr unten in meiner Blogliste) und - zack! schoß es mir durch den Kopf "Menschenskind, die Rauhnächte!"
Leider ist die letzten Jahre gerade diese Zeit bei mir untergegangen und jedes Mal habe ich im Nachhinein geflucht, dass ich sie schon wieder vergessen hatte. Nicht so dieses Jahr. Also rannte ich gleich hoch in meine Lesekammer (alias Schlafzimmer) und kramte nach zwei meiner mir liebsten Bücher:

Rauhnachtzauber
(Herausgegeben von Hubert Sauer-Zur im Greifenverlag zu Rudolstadt)
Rauchnächte
(Sigrid Früh im Stendel Verlag)

Als Rauhnächte oder die Nächte in den Zwölften gelten die Tage vom 24. Dezember bis einschliesslich 06. Januar des neuen Jahres, wobei es hier regionale Abweichungen gibt. Wikipedia bezeichnet diese Nächte sehr treffend als "eine Zeit, die für die Geisteraustreibung oder -beschwörung, den Kontakt mit Tieren oder wahrsagerische Praktiken geeignet sein soll" und schreibt über die Tage bis Silvester:
"In dieser Zeit steht nach altem Volksglauben das Geisterreich offen, und die Seelen der Verstorbenen sowie die Geister haben Ausgang. Dämonen können Umzüge veranstalten oder mit der wilden Jagd durch die Lande ziehen. Bis in die jüngere Zeit war in weiten Teilen Europas der Glaube verbreitet, dass sich zauberkundige Menschen, die einen Pakt mit dem Teufel geschlossen hatten, zu dieser Zeit in Werwölfe verwandelten und in dieser Gestalt Mensch und Vieh bedrohten..."
Kein Wunder also, dass die Rauhnächte mich ab dem Zeitpunkt faszinierten, als mir mein Onkel einst das Buch "Rauhnachtzauber" mitbrachte, welches er offenbar in seinem Privatfundus verwahrt hatte. Es ist seit circa 15 Jahren nun in meinem Besitz, doch das Buch selber entstammt der ersten Auflage von 1986. Als Tochter ehemaliger Jäger, die schon als kleiner Stumpen bei Nacht und Nebel ungeachtet Wind und Wetters mit in den dunklen Wald auf die Pirsch gehen musste (tja, soviel zur frühkindlichen Prägung), war ich für diese Sammlung europäischer Jagdsagen rund um diese besondere Zeit Feuer und Flamme. Gruselig sind sie, grausam und lehrreich. Auf keinen Fall was, was man seinen Kindern vorm schlafen gehen vorlesen sollte.
Später erstand ich dann noch das Werk von Frau Früh, die etwas spezifischer auf "Märchen, Brauchtum und Aberglaube" eingeht. Zwischen einigen kurzen Mythen verpackt sie traumhaft alten Glauben, der früher von Generation zu Generation mündlich überliefert wurde, sowohl erfreulich wie auch schauerlich. Wenn man bespielsweise am 24.12. um Mitternacht die Wohnung "hinterführ und nackend" wischt, soll man angeblich das zukünftige Gschpusi ebenfalls im Adamskostüm unter dem Tisch sitzend erblicken können. Nicht lachen, Ihr wisst ja nicht, obs nicht doch stimmt, oder habt Ihr an Weihnachten 00:00 Uhr schon mal nackig im Rückwährtsgang die Bude nass poliert? Habt Ihr überhaupt schon mal nackig gewischt? Na eben. Wer das probieren möchte, bitte gerne, würde mich über einen Erfarhungsbericht sehr freuen und stelle mich schon mal selbstlos als Trauzeugin zur Verfügung. Gruseliger wird es dagegen, wenn man am Heiligen Abend auf "einen Kreuzweg geht", sprich sich um Mitternacht auf eine Kreuzung stellt (die Macher von Supernatural haben da mal wirklich brav recherchiert). Dann erscheint einem Schlag Zwölf der Leibhaftige und fragt nach Deinem Wunsch in Form von Geld oder Saatgut. Ich persönlich hege zwar keinen Wunsch, der es wert wäre, sich deswegen bei Lucifer eines Gefallens schuldig zu machen, aber auf nen Plausch treffen würd ich ihn schon mal ganz gern. Wer dagegen Harry Potter nachahmen will, der muss sich nach dem Rückgratsplitter eines in der Neujahrsnacht gesottenen Katers umsehen. Hiermit erlasse ich eine offizielle Warnung an alle miauenden Fellträger für diese Nacht - bleibt mal lieber hinterm Ofen.
Ob und wie viel an diesen Sagen und Mythen dran ist, obliegt jeder/m selber zu beurteilen. Vielleicht hat dieser kurze Exkurs ins alte Brauchtum in den Zwölften dem/r ein oder anderen Leser/in aber auch Laune auf eine ganz spezielle Weihnachtslektüre gemacht. Und sollte Euch in jenen Tagen während der wilden Jagd Frau Gode erscheinen oder gar einer ihrer Hunde, so seid freundlich und kommt dem nach, was von Euch verlangt wird. Es wird Euer Schaden ganz sicher nicht sein...

Donnerstag, 9. Dezember 2010

Bärenstarke Hilfe


An alle Münchner (und natürlich jeden, dens interessiert):
Holt Euch einen kleinen Teddy der AIDS-Hilfe.
Superflauschig, knuffig süß und Ihr tut damit wirklich was Gutes.
Kostet soviel wie ein Glühwein mit Schuß.
Erhältlich hier:


Dienstag, 7. Dezember 2010

Gedanken und Erkenntnisse Part II

Wie versprochen auf der rechten Seite eine kleine Selektion aus fast 500 Fotos.
Hoffe, die Bilder wärmen Euch ein wenig das ♥

P.S.: Am besten, Ihr benutzt die Diashow, da die Galerie nicht richtig zu funktionieren scheint.

Montag, 6. Dezember 2010

Gedanken und Erkenntnisse Part I

Ihr wollt ja etwas über den Urlaub in Khao Lak erfahren und sicher auch ein paar Fotos sehen. Das kommt noch, versprochen. Seit heute morgen um 4:30 Uhr laden die Bildchen.
Es war traumhaft schön, wunderbar warm, sehr turbulent und unglaublich lustig.
Wir verbrachten den Urlaub an einem nahezu einsamen Strand (abgesehen von den erstaunlich wenigen Hotelgästen), im Vordergrund das rauschende Meer, im Hintergrund beeindruckende Berge mit wildem Regenwald.
Einen Tag verbrachten wir mit der Erkundung des circa 1,5 Stunden entfernten Phuket und waren froh, am Abend wieder in Khao Lak einzutrudeln. Phuket selber - zumindest Patong Beach - ist das Ballermann Thailands, abgesehen vielleicht von Pattaya. Sardinenfeeling am Strand, Liegestuhl an Liegestuhl, braungebrannte Poser mit Badehosen, die mit ihrem bisschen Stoff mehr enthüllten als verdeckten (brrr), und blonde Chickies, die Schaulaufen im Ritzenbikini veranstalteten. Die Preise das 4fache von denen in Khao Lak und dafür mindestens dreifach schlechtere Qualität. Auf diesem Ausflug lernten wir ein junges Paar kennen, mit dem wir einige Tage später einen der lustigsten Abende des Urlaubs in einem Thairestaurant verbrachten. Wir mussten so lachen, dass sich die gesamte Küchencrew mitanstecken liess. Und wenn Thais lachen, ist das schon wieder eine besondere Komik für sich.
Am Geburtstag meines Mannes fuhren wir in den Khao Sok Nationalpark, überquerten per Longtailboot einen riesigen Smaragdsee (selten so ein tolles grünes Wasser gesehen), mussten dann querfeldein durch den Dschungel laufen, wobei wir allerlei Insekten zu sehen und hören bekamen - Frösche so gross wie ein Daumennagel! - danach noch eine kurze Fahrt per Bambusfloss und ab gings zum klettern und staunen in eine Grotte voller Stalagtiten und Stalagmiten. Wer weiss, was was ist, bekommt ein Fleiss-Sternchen. Als wir vom Restaurant zur Rückkehr aufbrechen wollten, zürnte uns der Geist des Wassers so sehr, dass er ein Riesenunwetter heraufbeschwor und die Wolken auseinanderbrach. Ein Wolkenbruch auf festem Boden ist ja schon ein Erlebnis für sich - auf dem Boden eines schwimmenden Dorfes aber noch eine Nummer heftiger. Die gesamte Rückfahrt mit dem Longtailboot wurden wir nass, nasser, klatschnass. Es war trotz allem eine geniale und saulustige Erfahrung, die wir keinesfalls missen wollten. Auf dem Hotelzimmer angekommen fanden wir zu unserer Überraschung eine Geburtstagtorte im Kühlschrank vor. Das gibt einen Extrapunkt für den Service.
Den allerschönsten Tag jedoch hatten wir beim schnorcheln auf verschiedenen Inseln der Similangruppe. Papageienfische, Doktorfische, Fischschwärme in gelb-schwarz-gestreift, in schillernd türkis und grün, es war einfach unglaublich. Auf Insel #8, auf der wir Rast machten, verbrannte ich mir beim Aufstieg auf die Felsen sauber die Füsse, und auf Insel #4 fanden wir nicht nur unseren persönlichen Traumstrand, sondern machten auch die Bekanntschaft mit Waranen und Flughunden. Mehr möchte ich hierzu gar nicht erzählen, denn die Fotos sprechen für sich (wenn sie dann mal online sind).
Gesundheitlich haben wir uns diesmal weit aus dem Fenster gelehnt, der Mann wurde von einem Moskito derart bös gebissen, dass seine Hand auf beinah das Doppelte anschwoll, während ich mich der Reihe nach mit einem leichten Sonnenstich, einem sauberen Teilsonnenbrand und ab Donnerstag Abend mit einer ausgewachsenen Lebensmittelvergiftung rumschlagen musste. Von einem Sprossensalat, wohlgemerkt. Wir dachten schon, das Denguefieber hätte mich erneut erwischt, mein ganzer Körper war ein einziger Schmerz. Aufrecht laufen war nicht mehr, und ein Meter in einer Minute war echter Geschwindigkeitsrekord. Der herbeigerufene Thaidoc war ein echter Kracher, geschätzte 105 Jahre alt, verpasste mir vier verschiedene Medikamente und eine Radikaldiät. Auf der ich heute noch bin. Schön. Oder auch nicht. Jedenfalls halfen die Medikamente und wir konnten am Sonntag fliegen. Trotz dieser Unpässlichkeiten hatten wir einen wirklich klasse Urlaub.
Im Flieger selber dann begann schon wieder die "Vorfreude" auf Deutschland. Nach dem Start, die Anschallzeichen längst erloschen, noch kein Getränkewagen unterwegs, erlaubte ich es mir doch tatsächlich, meine Lehne langsam (!) ein kleines Stück (!!) nach hinten zu stellen. Auf einmal ächzte, schimpfte und jammerte es hinter mir, dass ich dachte, wasn nu los? Doch als ich mich umdrehen und nachgucken wollte, trat das Weibsbild hinter mir mit ihren Füssen (!) mit voller Wucht gegen meine Lehne. Was auch immer sie sich getan hatte, sie hatte es selber verbockt und suchte nun einen Schuldigen, den sie dafür verwantwortlich machen konnte. Also mal schnell austicken und die Vorderfrau - mich - anpöbeln. Hierauf war mir klar, dass ich keine Lust auf eine Auseinandersetzung über den Wolken hatte, und entschloss mich zum großzügigen Ignorieren. Offenbar hatte die Dame wirklich Lust auf Streit, doch ich ließ mich nicht in ihre Laune mit rein ziehen. Allerdings hatte ich die ersten Stunden doch zugegeben Schiß, mir würde - warum auch immer, ich weiss bis heute nicht, was los war - irgendwann noch ne Cola über den Kopf gekippt.
Irgendwann in der Mitte des Fluges dann die Durchsage "Wenn ein Arzt an Bord ist, bitte dringend bei der Crew melden, ein Arzt bitte." Es ging wie bei den Erdmännchen, zip, zip, zip alle Köpfe nach oben, wo ist was, wer hat was, was ist los, wo, wo wo??! Nach 10 Minuten kam die Durchsage erneut, diesmal in Englisch. Die Getränkewagen wurden zwecks Ablenkung gefühlte 50x durch die Reihen geschoben, irgendwann lief eine Flugbegleiterin mit Notkoffer durch die Gegend, der Kapitän, den man auf dem ganzen Flug nicht zu hören bekam, meldete uns plötzlich, wir sollten doch alle mal ausm Fenster gucken, da vorn komme gleich das wuuuunderschöne Teheran... tja und ich sagte nur zu meinem Mann "Mach Dich drauf gefasst, dass wir in Teheran notlanden. Naja, kommt man ja auch nicht jeden Tag hin." Die Flugbegleiterinnen waren ziemlich durch den Wind, sie fragten nach unseren Getränkewünschen, nur um sie uns dann nicht zu erfüllen, und im Ton miteinander waren sie auch nicht gerade die freundlichsten (DAS wohlgemerkt den ganzen Flug lang). Keine Ahnung, was es für ein Notfall war, wir konnten jedenfalls weiterfliegen und die bereits auf Sensation geiernden Paparazzi, die sofort zur Kamera gegriffen und gefilmt haben (hätte ja sein können, dass man das Material noch an RTL verkaufen kann), steckten ihres Cams enttäuscht wieder weg. Vom Duty Free fang ich gar nicht erst an und das Essen war laut Aussage meines Mannes einfach nur "wuach" (Zitat).
Heute beim Einkauf erlebte ich erneut die unglaubliche Höflichkeit gegenüber den Mitmenschen, als sich ein Paar so dreist an der Kasse zwischen meinen Mann und mich schummelte und sofort seine Sachen aufs Band legte, so dass sie wohl oder übel als erste abkassiert werden mussten. Mein Unterzucker machte sich mehr als deutlich bemerkbar und beim Rückzug in Richtung meines Mannes gönnte ich mir den kleinen Luxus, beide kräftig anzublaffen.
Irgendwo reicht es schließlich auch mal.
Ich glaub, ich brauch schon wieder Urlaub.

Sonntag, 5. Dezember 2010

Sterblich... Engeln über die Schulter geschaut


ISBN 978-3-941445-28-3
Format DinA5
BH Preis €12,90
Seitenzahl 176
Hierreth Verlag (www.hierrethverlag.de)
Hrsg. Carola Kickers

Eine zauberhafte Geschenkidee - auch für die, die es gern düster mögen.
Wieso?
♥ Na weil auch moi mit einem Beitrag vertreten ist ♥
Ein dickes Danke geht hierbei an Caro und das Team vom Hierreth Verlag!

Mittwoch, 1. Dezember 2010

Das war so klar

Kreizkruzefixnochamoi!
In wenigen Tagen ist hier der Urlaub vorbei und bisher war alles roger. Nicht ein cm² Sonnenbrand. Aber heute, bei totaler Bewölkung, in der es un-mög-lich war, irgendwo einen Schatten auszumachen, erwischt mich die Mittagsnarkose - und jetzt, am Abend, leuchtet nun meine ganze rechte Seite von oben bis unten wie ein Pavianarsch! Gleich ne leichte Cortisonsalbe drauf, nachher im Supermarkt suchen wir noch nach Aloe Vera mit Menthol, das hilft super, und die eiskalten Pepsi-Dosen aus der Minibar müssen nun als Kühlakku herhalten, denn das Urlaubskühlpack ist nach 2 Minuten schon wieder warm.
Argh!

Dienstag, 23. November 2010

Der Wert der kleinen Dinge

Schon oft beschlich mich der Gedanke – warum wird Vieles im Leben übersehen? Durch Stress, Ärger, Probleme und ständige „Attacken“ von außerhalb, seien es Werbeplakate, Musik oder, ganz hip, die Inside-Out Screens, die neuerdings unzählige Apotheken zieren, wird der Mensch ständig mit Reizen bombardiert, die er kaum verarbeiten kann, und übersieht dabei oft die kleinen Dinge im Alltag. Dinge, die nicht unbedingt wertvoll oder bedeutsam sind, doch bei genauerer Betrachtung vielleicht zu denken geben und die ein oder andere Geschichte erzählen.
So geschehen heute am Strand um circa 07:15 Uhr Ortszeit. Ja, ich gebe zu, zu den passionierten Frühaufstehern zu gehören, die selbst im Urlaub kaum länger als bis 08:00 Uhr im Bett bleiben können, weil die Entdeckerlust sie umtreibt. Andere nennen es senile Bettflucht, Ihr dürft es betiteln, wie Ihr mögt. Am Strand war noch recht wenig los, was umso besser war, konnte man doch in Ruhe das Meer und den Sonnenaufgang genießen, sowie den ein oder anderen Meeresschatz bergen. Erwischt, ich liebe es, Muscheln zu sammeln. Aber nicht die ganz normalen, die man überall auf der Welt findet. Ich suche im speziellen Schneckenhäuschen oder Muscheln mit ungewöhnlichen Formen und Farben. Daheim steht pro Urlaub je ein Glas mit solchen Fundstücken herum, mein Mann stöhnt jedes Mal aufs Neue und hat im Koffer immer ein Plätzchen dafür frei. Jedes Mal freue ich mir nen Wolf, wenn wieder was Schönes meinen Weg kreuzt. Heute sah ich einen Stein, der die Form eines Herzchens besaß und dazu noch ein Loch in einer Rundung aufwies. Das könnte man ja als Anhänger verwenden, schoss es mir durchs Hirn, und als ich den Stein umdrehte, entdeckte ich zu meiner Überraschung, dass es kein Stein, sondern tatsächlich ein Anhänger war. Auf der Rückseite waren zwei kleine Blumen aufgemalt und das Ganze entsprechend fest gebrannt. Schlicht, nichts Besonderes... aber irgendwie doch.
Wie viele mögen schon achtlos daran vorbeigegangen sein, ohne sich um das kleine Herz zu kümmern? Ohne es überhaupt entdeckt zu haben? Meine Schreiberseele schlug sogleich Purzelbäume und ertrank sich in den stürmischten Gedanken – wo kommt es her? Wer hat es verloren? Und wie alt mag es überhaupt sein?
Auf keine dieser Fragen wird es je eine Antwort geben, und auch wenn ich vor Neugier platze, so muss es mir doch reichen, wieder einmal auf eine kleine Besonderheit gestoßen zu sein, eben weil es möglich war, inne zu halten, mich eine Runde um zu blicken, zu beobachten und zu staunen. Klappt leider nicht immer, aber ab und zu. Zugegeben, im Urlaub hat man noch mehr Zeit dafür als sonst im tristen Alltagsgrau.
Heute war für mich der Tag der kleinen Dinge, die mir zuhauf vor die Linse kamen.
Seien es die zwei Einsiedlerkrebse, von denen sich einer wie eine Diva minutenlang vorm Shooting zierte, sei es der sich sonnende Schmetterling direkt vor unserer Tür, die herzförmige Frucht eines Feigenbaumes, die von anderen Gästen erst bemerkt wurde, als ich – völlig tourilike und bar jeglichen Peinlichkeitsgefühls – mit der Kamera direkt darunter hing... oder eben das kleine Herz der Andamansee.
Inne halten und sich Zeit nehmen, das machen wir heute leider viel zu selten. Dabei gibt es soviel, dass sich lohnt, beachtet zu werden, und soviel Kleines, das mit ungeahnt großer Wirkung unseren Alltag bereichern kann...






Sonntag, 21. November 2010

Das andere Ende der Welt...

... naja fast.
Wollen wir mal nicht so kleinlich sein.
Sauschön isses hier auf jeden Fall:

video

Donnerstag, 18. November 2010

Hoodoo Woman von nebenan

Heute war einer der schlimmsten Tage meiner bisherigen Laufbahn.
Jamaikanerin mit zwei Mädels (12 und 14), verliert ihr Dach übern Kopp.
Also um 08:00 Uhr stehen Spedi, Gerichtsvollzieherin, Vermieterin usw vor der Tür, die Mutter total neben der Kappe (als wär sie nie vorbereitet worden, ach was reg ich mich auf?), die 14jährige arschcool, als wärs ihre fünfte Räumung (was es sicherlich auch war, welch traurige Kindheit), die hat alles gemanagt (nochmal - mit 14!), und die 12jährige hatte von nix ne Ahnung. Die war total geschockt, und während Mama und große Schwester packten stand sie weinend und schreiend vor uns, denn wir mussten ihr ja sagen, ne also dat Häschen kannste aba nich mitnehmen, da wo ihr hin geht sind keine Tiere erlaubt. Die Kleine kriegt sich nicht mehr ein, so sehr, dass ich auch fast mitheule, weil ichs nicht übers Herz bringe, einen Menschen von seinem geliebten Tier zu trennen, und meine Kollegin grübelt auch schon, ob sie dem Häschen Notasyl bei sich daheim gewähren soll.
Lange Rede, kurzer Sinn, es war schlimm, schlimm, schlimm, und wir fanden uns in einer von der Mutter künstlich geschaffenen Erpressungssituation wieder. Da hätte ich sie am liebsten durch die ganze Stadt geprügelt, denn wir hatten dazu geraten, die Kinder in die Schule zu bringen, um sie dieser traumatischen Situation nicht auszusetzen. Aber war ja klar, was kümmert mich schon (m)eines Kindes Seele, vielleicht zieht ja das schlechte Gewissen bei der Gerichtsvollzieherin und ich darf bleiben. Und ich musste dabei schauen, dass es nicht noch mehr eskaliert. Hart bleiben musste derweil die Gerichtsvollzieherin, die sagte, sie selber habe in ihrer langen Karriere sowas noch nicht erlebt und brauche heute auch nichts mehr.
Später im Büro sprach mich meine Kollegin an, ob ich das auch gesehen hätte, die Damen hätten in jedem Zimmer immer wieder über den Türen an die Rahmen gefasst, als würden sie da was wegwischen. Da fiel mir ein, dass ich im Wohnzimmer über der Tür was am Rahmen stecken gesehen hatte. Mein erster Gedanke war Kamera, mein zweiter Bewegungsmelder, ach keine Ahnung, die Kleine trug derweil wieder ihren Hasen im Rucksack vor sich rum und schrie, ich hatte keine Zeit mir das näher anzugucken. Komisch, komisch. Somit ruf ich neugierig die ehemalige Vermieterin an, die mir nach meinem Bericht im Anschluß sagt, Mensch ich hab da auch noch was. Ich - oh oh. Wasn? Ja, sagt sie, in sämtlichen Zimmern fanden wir hinter den Leisten am Boden versteckt kleine zusammengefaltete Zettel mit Psalmen. Ich Neugiernase hab mir das natürlich gleich mal schicken lassen und geforscht, tataaaa es ist tatsächlich Voodoo. Oder Hoodoo, kommt drauf an, ob es sich um religiöse Hintergründe handelt oder die Annahme, den Alltag durch Rituale und Zauber beeinflussen zu können. Okay, dann wars in dem Fall Voodoo, der Glaube war omnipräsent. Im Kinderzimmer beispielsweise befand sich der Psalm 126, der im Voodoo zum Schutz für Kinder verwendet wird...
Hatte ich doch wieder den richtigen Riecher. Noch vor zwei Wochen sagte ich zu meinem Kollegen, wir sollten uns alle vielleicht mal Gris-Gris' zulegen, ich glaub, die Frau ist nicht ganz ohne. Haben mich natürlich alle ausgelacht. Und jetzt?
Wenn ich morgen mit Glatze oder Pusteln aufwach, dann wissen wir, wer schuld dran ist.
Oder wenn mein Mojo flöten geht.
Nervlich bin ich am Ende.
Ich sauf mir jetzt einen.
Prost.


Dienstag, 16. November 2010

Das Schicksal ist ein Schlamperich!

Gerade stehe ich in der Küche und spüle ab.
Da hüpft mein Mann wie von der Tarantel gestochen um mich herum, huscht nach draußen zur Garderobe und kommt mit einem kleinen Zettel wieder.
"Schatz," sagt er, "wir haben derzeit chinesische Wochen. Ich geh fast nie chinesisch essen, aber heute wars mal wieder in der Runde soweit. Somit habe ich mindestens drei Zeugen, die beeiden können, dass dieser Zettel in meinem Glückskeks war!"
Sprachs, reichte mir mit einem lausbübischen Grinsen den Wisch, was mich schon nicht Gutes ahnen ließ...
Was soll ich noch sagen?
Genau.
Nüscht.


Montag, 15. November 2010

Geld liegt nicht auf der Straße. Oder?

Schon wieder! Es ist wieder passiert. Tante G hat schon wieder Geld auf der Straße gefunden. Wieder zehn Euro. So langsam gibt mir das zu denken, ist bei Weitem nicht das erste Mal, dass mir rund ums Geld so Glückssachen passieren.
Zum Beispiel denk ich da viiiiele Jahre zurück (gut, es sind vielleicht sechs), da hatte ich einen anstrengenden Job, der fast nichts abwarf, dafür aber Unsummen an Pendelkosten verursachte. Trotzdem immer noch besser, als vom Staat zu leben. Eines Morgens saß ich im Zug und eine Station nach der Abfahrt schon pflanzte sich eine gut betuchte, ältere Dame zu mir, die mich sofort zugackerte. Ich nutzte damals die Zugfahrten entweder zu ausgiebigen Lesereien oder - ganz simpel - noch fürn Stündchen Schlaf. Tja, das war mal nichts, und unhöflich wollt ich auch nicht sein. Also lauschte ich ihren Erzählungen über ihr Haus, ihre Haushälterin und die teure Damastbettwäsche, und hoffte, irgendeine Macht würde mir das irgendwann mal anrechnen. Dann erzählte sie mir von ihrem Sohn, den Herrn Doktor von der Uni, der nun arbeitslos geworden sei und Frau und Kinder daheim hocken habe. Wie schwer es sei, wieder einen neuen Job zu finden und so weiter und so fort. Ja, meinte ich da, ich weiss, wies ihm geht, ich halte mich mit nem Job über Wasser, der weit unter meiner Qualifikation liegt, Hauptsache, es geht was voran, auch wenn am Ende vom Geld noch viel zu viel Monat übrig ist. Da guckte sie und es ward stumm. Prima, dachte ich, jetzt kann ich in Ruhe wieder lesen, als ich aus den Augenwinkeln sehe, wie die Dame in ihrer Tasche kramt und noch bevor ich wusste, wie mir geschieht, stopft sie mir was in mein Buch, klappt es zu und sagt "So und das machen Sie jetzt erst auf, wenn Sie auf der Arbeit sind." Ich völlig baff:
"Das ist jetzt aber nicht, was ich denke, dass es ist, denn wenn es das ist, dann kann ich das nicht annehmen, so lieb das auch gemeint ist." "Doch, das können Sie, ich bin alt und habe mehr als genug, Sie aber kämpfen genauso wie mein Sohn und müssen jeden Cent umdrehen, mir tuts nicht weh und ich weiss, dass sies zu schätzen wissen."
Da war ich noch baffer, bedankte mich total verdattert und ließ es mir am Zielbahnhof nicht nehmen, der Dame wegen ihrer Gehbehinderung noch die Koffer in den nächsten Zug zu tragen. Das war ja wohl das Mindeste. Auf der Arbeit staunte ich nicht schlecht, fiel doch ein Fuffi ausm Buch. Die Geschichte war Tage lang der Burner im Laden.
Einige Zeit später war ich mit Freundinnen zu St. Patricks Day in einer unserer irischen Stammkneipen. Da fiel mir ein Typ ins Auge, an den ich mich langsam anpirschte. Leider war er grad einen Tag frisch getrennt, Mist, aber gut, dann eben nur nett unterhalten. Er erzählte mir von seinem tollen Job usw. und irgendwann meinte er zu mir, dass er öfter mal weggeht, da müsse er gut blechen, fünfzig Euro seien da nichts. Ja, meinte ich, bei mir geht das nicht, fünfzig Euro sind verdammt viel Geld. Da zückt er ein dünn gefaltetes Scheinchen aus der Tasche "Bitte nimm." "Hä? Äh, bitte wie?!" Bitte nimm, ist ein Geschenk. Mir bedeutet das nichts, ich verdien genug, und wenn Du sagst, das ist für Dich verdammt viel Geld, dann musst Du wirklich arg drauf schauen." Ich fühlte mich wie in einer Zeitmaschine und stand nur mit offenem Mund da, während meine Freundin sich hinter dem Kerl einen abzappelte und deutete "Jetzt nimm endlich, Du blöde Kuh!" Er drückte mir den Schein dann in die Hand und wollte dafür - nichts. Null, gar nichts. Gibts ja auch nicht oft.
Nach dieser Geschichte - die erste war in der Zwischenzeit von den Kolleginnen leicht angezweifelt worden - wollten plötzlich alle immer mit mir weg gehen.
Das nun sind nur zwei Geschichten, wie mir des Öfteren das Geld "auf der Straße begegnet", ob es mir nun geschenkt wird oder sich nackt auf dem Asphalt räkelt. Als hätte ich hierfür ein eingebautes Radar. Vielleicht sah ich aber auch einfach nur so bemitleidenswert aus?! Wenn das dabei herauskommt, na dann vergess ich mal schnell meinen Stolz. Vor Kurzem sass ich wegen einer Klientin mitten unter Obdachlosen und bewachte deren Hund. Ich trug saubere Jeans, ein schwarzes Jäckchen und sah auch sonst recht gepflegt aus. Kam eine Dame daher, die gerade eine Kleiderspende getätigt hatte, und drückte mir fünf Euro in die Hand, "für Ihren Hund." Ich dachte, ich spinn. Natürlich hab ich mich artig bedankt und die Dame entsprechend aufgeklärt, sie hats mir aber (denk ich) nicht geglaubt. Wie dem auch sei, ich gab das Geld artig der Hundemama weiter und beschloss, mal gründlich meine Garderobe zu überdenken.
Bleibt nur noch zu sagen, dass ich die zehn Euro heute liegen liess. Sie lagen auf den Tramgleisen, begrenzt von einer zweispurigen Straße. So gern ich sie mir wirklich gekrallt hätte, so ungern wollt ich mich zamschieben lassen. Da gibt es sicher andere, die sich wesentlich mehr freuen, wenn sie das Scheinchen irgendwann finden.
Man muss ja nicht immer alles einschieben.

Samstag, 13. November 2010

Die Frau - Das rätselhafte Wesen

Ich koche.
Nicht auf der Herdplatte.
Innerlich.
Bin total genervt, weil ich nicht so kann, wie ich will.
Doch fangen wir von Vorne an.

Soeben servierte mir das Leben (mal wieder) auf dem Tablett, dass Frauen nicht in der Lage sind, sich so wunderbar unkompliziert zu verhalten wie Männer. Männer nämlich, die sind in den seltensten Fällen hinten rum, machen keine Dramen aus kleinen Szenen und sagen Dir ins Gesicht, wenn ihnen etwas mal nicht passt. Gelegentlich - je nach Situation - hauen sie sich auch mal eins aufs Maul. Und gehen fünf Minuten später zusammen ein Bier trinken. Sache erledigt. Haken hinter. Prost.
Frauen dagegen sind in einer erschreckend hohen Prozentzahl weder in der Lage, zu ihren Ansichten und Meinungen zu stehen, wenn sie direkt unter Augenkontakt dazu befragt werden (virtuell zählt nicht!), noch schaffen sie es, mal geradeheraus ein "Nein" zu formulieren. Da wird geflunkert und geschwindelt, dass sich die Balken biegen. Da werden Territorien abgesteckt und Besitzansprüche gestellt, dass man sich fragt, Moment bin ich Deine Freundin oder Dein (erkauftes) Eigentum? Da wird verkompliziert bis zum geht nicht mehr, und während sich die Damen in immer grössere Knäuel aus Widersprüchen verstricken, stehen deren Männer daneben und schütteln verständnislos den Kopf, wie man sich sowas nur antun kann.
Das Problem ist, dass uns Frauen von klein auf eingeimpft wird, immer schön gefallen zu müssen. Sei artig, mach Dich nicht schmutzig, Du willst doch, dass Dich alle mögen?
Dinge, die Frau als Kind schon im Schlaf aufsagen kann.
Wieso verdammt sollte ich wollen, dass mich alle mögen?
Mag ICH denn etwa alle?
Und wollen DIE das überhaupt?
Na eben.
Trotzdem werden wir Gebärmutterträgerinnen quasi von Geburt an dazu erzogen, immer schön ruhig zu sein und die Klappe zu halten, die eigene Meinung zu sagen ist verpönt, dann hat Dich ja automatisch keiner mehr lieb. Psychodruck der feinsten Sorte, der mit schwarzer Tinte freimütig auf der blanken Seele eines Kindes herumschmiert. Es gilt schließlich nicht erst seit einem Herrn Bohlen, dass everybody's darling gleich everybody's a******h ist. Ha seht Ihrs? Ich trau mich nicht mal, auf meinem eigenen Blog dieses Wort auszuschreiben. Wieso? Könnt ja sein, dass ich Euch damit vergrätz. Frau, Du bist und bleibst ein Rätsel.
Zwar hab ich es nicht geschafft (wie soeben gesehen), mich von wirklich allem frei zu machen, was die Gesellschaft mir einst predigte, doch hatte es schon seinen Grund, warum ich, seit ich denken kann, fast immer nur mit Jungs abhing. Warum ich mit ihnen in der Ecke stand und lachte, fluchte und mich ab und zu mal prügelte, bis die Nase blutete. Wohlgemerkt nicht meine. Warum ich auf Indianer und Raumschiff Enterprise stand, mit Papa die Playmobil Ritterburg erstürmte oder statt Schnulzen lieber knallharte Action guckte. Wie oft wurde ich später von "Freundinnen" mit erster Liebe mitleidig von oben angeschaut, "Ach Emily, ist mal wieder nurn Kumpel?". Mein verwirrter Blick sprach Bände, und meine mehr als irritierte Antwort - "Ja. Und?"
Bei den Jungs, da gab es klare Regeln und Strukturen, keine versteckten Fallstricke und vor allem keine psychologische Manipulation. Frauen sind in sowas wahre Meister, ob sie wollen oder nicht. Ja, auch ich kann, wenn ich will, so richtig tief in die Trickkiste greifen. Das allerdings versuche ich soweit wie möglich zu vermeiden, einfach, weil es mich selber anspeit. Weil es mies und unfair ist. Und weil es sich einfach schlecht anfühlt, wenn man merkt, man wurde manipuliert. Wer sowas schon mal erlebt hat, der weiss, wovon ich rede.
Fakt ist, kaum eine Frau ist in der Lage, sich zu verhalten wie ein Mann, wenn es um eine Freundschaft geht. Da wird sofort geklammert und draufgesetzt, oh und macht ja nicht den Fehler, auch mal mit einer anderen wegzugehen. Böööses Foul. Eifersucht wartet gleich um die Ecke.
Männer, wollt Ihr wirklich wissen, warum Frauen immer zu zweit aufs Klo gehen? Ja, das tratschen und klatschen ist der Grund, der an der Oberfläche greift, und zugegeben auch seine Berechtigung hat (es macht ehrlich wirklich Spaß). Die tiefere Wahrheit aber ist - und ich bin mir ziemlich sicher, dass viele Damen das selber nicht mal wissen - dass es was mit Besitzanspruch zu tun hat. Es ist die Demonstration von Einheit und Macht. Nicht gegenüber dem Mann. Sondern gegenüber uns selbst. Glaubt Ihr nicht? Dann probiert doch das nächste Mal, wenn Ihr in ner größeren Runde mit Eurer Busenfreundin unterwegs seid, ihre Frage nach dem "Kommst Du mit aufs Klo?" zu verneinen. Beachtet dabei ihre Mimik. Merkt Euch genau die Sekunde, dieses klitzekleine Zögern, in der plötzlich Unverständnis in ihren Augen aufblitzt. Und wappnet Euch für das, was später kommen mag.
Gerade werde ich manipuliert. Oder zumindest versucht das jemand. Eine Freundin, von der ich das nie gedacht hätte, setzt sich grade auf mich drauf. Nimmt den gereichten kleinen Finger, schnappt sich sogleich den ganzen Arm, kugelt ihn aus und reisst ihn ab. Als Dank gibts noch nen blöden Spruch. Nun bin ich dabei, akribisch abzuwägen, macht sie das, ohne es zu merken, weil ihr die Freundschaft vielleicht mehr bedeutet als mir, oder ist es bewusstes Kalkül? Denn vorschnell möchte ich nicht urteilen. So oder so, ein Gespräch muss her, doch leider verhindern biologisch kritische Umstände ihrerseits, dass ich so ehrlich sein kann, wie ich möchte. Also heissts - diesmal aus Rücksicht auf ein neues Leben - wieder brav die Klappe zu halten. Meine Begeisterung ist schier grenzenlos...
Abschließend ist mir wichtig zu betonen, dass ich nicht verallgemeinern möchte, und dies hier einzig und allein meine persönlichen Erfahrungen wiedergibt. Denn es existieren durchaus Damen da draussen, die herrlich unkompliziert sind und für die Zickereien nur auf der Weide stattfinden.
Leider sind sie so selten wie Tulpen im Winter.
Schade eigentlich.

Donnerstag, 11. November 2010

In WHAT we trust?

Glaube - was ein heisses Eisen.
Ich würds ja eigentlich auch nicht anfassen, denn meiner Meinung nach darf, soll und kann jeder das glauben, was ihm persönlich gut tut, wenn er keinem anderen damit in irgendeiner Art und Weise schadet. Find ich persönlich ne gute Regelung, somit hab ich auch kein Problem mit Zeugen Jehovas oder solchen, die sich dafür ausgeben (*ironischerwinkmitdembetonpfeiler*), solang sie nicht vor meiner Tür stehen oder mir Wurzelbürsten verkaufen wollen. Womit ich allerdings ein Problem habe sind die Menschen, die so tief in ihren Glauben verstrickt sind, dass sie dadurch keinem vernünftigen, weltlichen Argument mehr zugängig sind. Und andere - zumeist Schutzbefohlene - mit ins bodenlose Unglück stürzen.
Gott, Allah, wie immer sie auch alle heissen, ob nur einer oder ganze Scharen, jeder, wie er glücklich wird. Auch, wenn das bedeutet, dieses Glück verkehrt sich ins Gegenteil. Ist okay, solang es nur einen selber betrifft. Anders siehts aus, sobald Zweite und Dritte betroffen sind. Kinder zum Beispiel.
Mir ist seit einiger Zeit an derart unfassbarer Fall angetragen, dass sämtliche betreffenden Institutionen nur noch mit den Händen ringen. Wir machen und tun, wir reissen uns die Beine aus, nur um am Ende jeden Tages zu sehen, dass wir unsere Hausaufgaben brav erledigt haben, und die Hauptperson sich hinstellt und sagt "Meine Hausaufgaben hat der Hund gefressen."
Nicht so tragisch, wenns wirklich um Hausaufgaben ginge, doch verheerend, wenns die Existenz betrifft. Was soll man da noch machen? Alle Methoden sind gescheitert, die sanfte, die harte, der Wattebausch, die Keule...
Jetzt sind wir an dem Punkt angekommen, an dem das Gegenüber meint "I trust in god and god will save me. I trust you and I do believe in miracles. I know that oh my trust will save me."





Ja da fällt mir so langsam nix mehr ein. Deshalb auch die vielen Leerzeilen.
Glaube ist was Wunderbares, er verleiht Kraft in schweren Zeiten und liefert für vieles, das sonst nicht erklärbar wäre, die ein oder andere Erkenntnis. Deshalb haben es Menschen mit Glauben im Leben auch nachweislich leichter als Agnostiker oder Atheisten.
Aber Gott zahlt nunmal keine Schulden.
Gott füllt Dir auch nicht den Kühlschrank.
Und Gott wärmt Dir im Winter erst recht nicht die Bude.
Das ist DEIN Job.
DEINER ganz allein.
Als Gott uns geformt hat, da gab er uns nämlich nicht nur die tolle Sache mit dem eigenen Willen, sondern auch zeitgleich die Verpflichtung mit, "Ich schenk Dirs Leben, aber meistern musst Dus selber."

Wunder gibt es immer wieder, das wusste schon die gute Katja. Wenn man unverletzt einen schlimmen Unfall überlebt. Wenn man nach zehn Jahren Lähmung plötzlich wieder laufen kann. Die Liste solcher Fälle ist endlos. Ich will mich jetzt nicht darin erbrechen, bis ins Kleinste penibel sämtliche Wahrscheinlichkeiten auszurechnen oder irgendwelche biologischen Möglichkeiten einzubeziehen, darum geht es hier auch nicht. "Als Wunder (griechisch thauma) gilt umgangssprachlich ein Ereignis, dessen Zustandekommen man sich nicht erklären kann, so dass es Verwunderung und Erstaunen auslöst. Es bezeichnet demnach allgemein etwas „Erstaunliches" und „Außergewöhnliches" (griech. thaumasion)." ( Quelle http://de.wikipedia.org/wiki/Wunder )...
Wenn ich meine Wohnung nicht verliere, weil dem Antragsteller wegen akuter Überlastung beim ausfüllen des Formblatts schlicht ein Versehen unterlief, indem er eine Angabe vergass, dann ist das KEIN Wunder. Es ist, wie schon geschrieben, auf menschliches Versagen zurückzuführen. Aber nein, höre ich schon besagte Partei, das ist ein Wunder und ich bin gerettet.
Ja genau.
Bis zum nächsten Termin.
Und welches Wunder meinste, kommt dann?
Gottes Geduldsfaden hat schließlich auch keine Endlosspule. Oder hätte er den Menschen sonst bestraft wegen eines popeligen Apfels?
Hier gilt ebenso:
Ein Wunder zahlt Dir keine Schulden.
Ein Wunder füllt Dir auch nicht den Kühlschrank.
Und Wunder wärmen Dir im Winter erst recht nicht die Bude.
Das ist DEIN Job.
DEINER ganz allein.

Wenn Du dann noch Kinder hast, die in Deinem fanatischen "Es wird schon alles gut gehen, denn I have trust"-Kosmos aufwachsen, fernab jeglicher Realität und bar jeden vernünftigen Handelns, dann glaube der alten Tante G, wenn die Dir sagt, dass Du demnächst mächtig auf die Fresse fliegst. Sag nicht, sie hätte sich nicht gekümmert. Und sag nicht, sie hätte Dich nicht gewarnt. Sie kann Dir nur den Weg ebenen - gehen musst Du ihn allein.

Tja soweit, so schlecht.

Ein Problem hab ich allerdings. Die Person, von der hier geschrieben steht, ist mir meines Empfindens nach nicht ganz eindeutig zuzuordnen. Bezüglich Herkunft und Religion.
Und so langsam befürchte ich, dass Zebrafinken und Hoppelhäschen neben ihrer Rolle als Spielgefährten für die Kinder noch eine ganz andere Funktion erfüllen. Nennt es Ahnung oder Respekt, aber mir schwant, so langsam sollt ich mir mal ein Gris-Gris besorgen.
Nur für den Fall, dass mich ab Ende nächster Woche ein plötzlicher, unerklärlicher Kopfschmerz befällt...

Dienstag, 9. November 2010

Strrrrrrrrrrike!

Yes. Gerade totales Bundy-Strike-Feeling.
Eine weitere meiner Kurzgeschichte wird in einer Anthologie veröffentlicht.
Solche schönen News bringen mir grad ein wenig Sonne in meine teilweise unterirdischen Tage.
Hier wie auch bei der anderen Erzählung gilt - in Bälde ein klein wenig mehr Infos. Habs nicht vergessen. Abern bisserl Spannung muss ja auch mal sein.

Montag, 8. November 2010

Wenn die Stunde schlägt

Schon wieder heute Nacht. Langsam könnt ich narrisch werden.
Punkt 3:00 Uhr schreck ich in den letzten Wochen regelmäßig aus dem Schlaf hoch und bin hellwach, egal wann ich ins Bett bin. Bis ich wieder einschlummere, dauerts dann seine Zeit. Die Träume, die danach kommen, sind meistens nicht von Pappe. So wie heute. Es war eine sehr bizarre Situation, in der ich plötzlich gelbliche Augen hatte (dank Spiegel im Zimmer sichtbar) und mit einer tief verzerrten Stimme sprach. Soweit ich mich erinner, war ich sogar männlich? Ich weiss nicht, ob er wieder da war oder einer seiner Spießgesellen, aber da war definitiv wer. Selbst der Mann hats gespürt...
War klar, die Ruhe vor dem Sturm hatte ja lange genug gedauert...
Um die Stunde 3:00 Uhr ranken sich diverse Mythen. Die Kirche sieht diese Zeit als Symbol für den Angriff auf die christliche Dreifaltigkeit. Ich gestehe, auf dem Gebiet nicht bewandert genug zu sein, um hierauf weiter eingehen zu können. Wer mehr weiß, bitte gerne melden.
Nach einigen Recherchen fand ich heraus, dass gerade zu jener Stunde viele Menschen sterben, die entweder das Alter dazu hatten oder unter einer langen Krankheit litten. Warum? Angeblich beginnt - abhängig von der Schlafenszeit - zwischen 2:30 Uhr bis etwa 04:00 Uhr die Zeit, in der "ein bereits geschwächter Kreislauf oder ein schon angegriffenes Herz in ein gefährliches Tief sinken können. In dieser Zeit - also am frühen Morgen - sterben die meisten Herz-Kreislauf-Patienten. Um diese Zeit passieren häufig Schlaganfälle, Herzinfarkte und ähnliche Ereignisse" (User quopiam über www.gutefrage.net). Ist natürlich keine einwandfreie, da laienhafte Erklärung, medizinisch möchte ich mich auch nicht dazu äußern (geht sowieso nicht, bin schließlich kein Arzt). Dennoch ist diese Erläuterung für mich relativ nachvollziehbar. Ja wirklich, trotz aller Mystik und Theorie bin ich für derartige Ausführungen durchaus zu haben.
Für mich persönlich gilt hier die gleiche Schlußfolgerung wie ein paar Posts früher für die "Gin Tonic"-Erfahrung
(http://thedarkworldofemilybyron.blogspot.com/2010/11/ein-systemabsturz-und-seine-folgen.html).
Gerade weil der Kreislauf in dieser Zeitspanne runterfährt, ist man stärker angreifbar als sonst. Das wiederum würde erklären, warum ich - im Moment vor Streß und Überarbeitung eh schon recht dünnhäutig - regelmäßig um Punkt 3:00 Uhr wach werde, gut schlagen wir hier fünf Minuten drauf und ziehen da zehn ab. Man kann jetzt auch nicht behaupten, dass ich mich drauf versteife und somit selbst programmiere, denn so richtig aufgefallen ist mir das ganze erst heute Nacht. Da purzelte ich aus dem Bett, tapste gen Handy und guckte verschlafen auf die Uhr, als mir schlagartig auffiel "Na super, schon wieder Drei." Dann ein wenig wachgelegen, wieder eingepennt und im Anschluss diesen merkwürdigen Traum. Erst heute Morgen bekam das ganze für mich ein Gesicht.
Was kann man daraus lernen?
Ist offenbar eine dieser Geschichten, an der mehr dran ist, als man vielleicht meinen möchte. Und es wäre wirklich verdammt nett, endlich mal wieder eine ruhige Nacht zu haben.
Ohne "Besuch" *grmpf*


Freitag, 5. November 2010

SM in der Twilight Zone

... und nein, ich mein damit nicht die Bis(s)-Reihe. Was derzeit bei mir in einer Woche abgeht, das erleben andere nicht in einem Monat. Ach, was red ich, in einem Jahr.
Womit anfangen?
Heute morgen wurde ich von einem Kollegen nach meinen Erfahrungen zu Halloween befragt. Hust. Hust hust. Naja, ich war ehrlich und hab ihm alles erzählt, auch dass ich am Ende fast nen Taxifahrer ausgeknockt habe (wollte an die Scheibe klopfen, aber hups, da war gar keine Scheibe). Das Gelächter war recht gross.
Guckt er mich an, ob ich nicht mal mit ihm in den **Club gehen will.
Ich "Bitte in den was?"
Er "In den **Club."
Ich "Wasn das?"
Er "SM-Szene."
Ich *klong*kuller*kuller* (meine Augen, die eben schnell rausgefallen sind).
Aber dann ich "Zeig mal."
Er also im Net gesucht und mir die Seite gezeigt. Voraussetzung für den Einlaß - Fetischwear.
Ich "Sowas hab ich doch net."
Er "Kleines Schwarzes reicht, das ist ohne Spielchen."
Ich "Ohne was?!"
Er "Na halt kein SM dargestellt, alle in Anzug und Kleidchen, lecker Cocktails (das Wort bekommt für mich grad eine gaaanz neue Bedeutung - Cock-tails...), die Szene feiert sich selbst, ganz bieder."
Ich "Öhm (bin etwas verdattert, aber einfach zu scheißeneugierig). Ja okay, bin dabei. Wenns harmlos ist, dann schau ich mirs gerne mal an. Neugier ist der Katze Tod."
Er "Deshalb hab ich Dich gefragt, ich wusste, Du wirst neugierig sein."
Ja. Auf die Szene. Der Rest ist nicht so meins. Aber mal schauen, vielleicht sind interessante Leute dabei.
Das war mein halber Vormittag. Später dann als moralische Stütze vor Gericht, was sich dann - wie befürchtet - von moralisch zu tätig umwandeln sollte, wogegen ich mich massivst verwehrt habe (hey - ich bin KEIN Anwalt). Die Verhandlung ging so oder so bescheiden aus.
Und dann der Abend. Der toppte alles.
Um 17 Uhr machten die Mädels und ich die Schotten auf der Arbeit dicht und dann gabs Sekt-Aperol mit diversen Nachos. Muss auch mal sein. Als wir uns verabschiedet hatten, zu einer christlichen Zeit um 18:15 Uhr, ging ich meines Weges, bis ich hörte, wie die Damen mir hinterher riefen "GlÜÜÜÜhwein!"... Ja soll ich da nein sagen? Später allerdings stellte sich raus, sie hatten das gar nicht gerufen. Sondern "StÜÜÜberl!" Weil neben unserem Büro eine kleine Kneipe ist (spart Euch jetzt bitte die süffisanten Bemerkungen). Ich hab dagegen Glühwein verstanden. Wir also ums Eck ins kleine Cafe, statt Glüh- dann eben Rotwein. Und wie wir da so sassen, bemerkten wir, wie das Lokal sich mit älteren Semestern füllte. Und einem Keyboardplayer, der sodann so dolle Hits wie "Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad..." spielte. Da ging die Rentnerpost ab, ich sags Euch. Als wir dann noch genauer hinschauten, was für ein Bär denn da steppte, da entdeckten wirs - das Wappen des lokalen Kaninchenzüchtervereins! Gibt es ein Klischee, was ich diese Woche nicht durchlebt habe? Aber es war einfach witzig. Der Pianoman hatte tatsächlich nur 10 Lieder auf der Pfanne, die er von vorn nach hinten und wieder zurück klimperte, und wir lachten uns nen Wolf. Irgendwann, als ich meine Blicke durch den Raum schweifen ließ, streifte ich versehentlich (!) einen älteren Herren mit Beatles-Pilzkopf (!), hellem Trenchcoat und Bill Cosby Pulli. Umgehend unterhielt ich mich wieder anderweitig, doch der Typ blieb stehen. Nach einer Minute blickte ich irritiert zurück, nur um ein anzügliches Augenbrauengewackel einzufahren. Börks. Da wurde mir schlagartig schlecht. Kein Witz. Das war der Moment, wo ich gehen wollte. Und ging. Man kann mir ja viel nachsagen, aber DAS ganz sicher nicht. Also verliessen wir gehen 21 Uhr das Cafe. Meine Kolleginnen hatten schon vorher gefragt, wo man denn noch weggehen könne. Ich meinte dann, na hier gibts heute irgendwo den Katzenclub, mehr weiss ich nicht. Daraus folgte dann alle 30 Minuten "Und wo ist nun das Katzenklo?" Ich sags Euch, zum Schluß hiess es, "Emily, wo isn das jetzt?" und ich "Nein, ich geh heute brav spießig heim, habs versprochen." Gesagt, getan. Brav.
Daheim angekommen in die Schnuriklamottten geschmissen, ach Pardon ich meine Negligé, erzähl dem Mann vom Tag und der sagt "Na wenn Du magst, dann geh doch noch raus."
???
Wer sind Sie und wo bin ich überhaupt?
Sind heute alle verrückt geworden?
Und ist die eine Dame wirklich vom Dach gesprungen?
Ach, von der hab ich Euch noch gar nicht erzählt?
Macht nix, der Radiofunk gab nix her, wird schon nix gewesen sein.
Was bleibt mir als Fazit für diese Woche?
Ein Glück, dass ich Montag frei habe.

Donnerstag, 4. November 2010

Eine schöne kleine Nachricht...

... lag gestern in meinem virtuellen Postfach. Eine meiner eingereichten Geschichten für eine Anthologie stiess beim zuständigen Verlag auf soviel Interesse, dass man mir noch vor Ablauf der Ausschreibung mitteilte, ich dürfe mich jetzt schon über meinen Erfolg freuen. Und da ich damit so gar nicht gerechnet hatte, tue ich das jetzt einfach mal. Also Achtung:

Das Dolle - ich darf Euch die Geschichte jetzt schon zeigen.
Wollt Ihr sie lesen?
Dann poste ich sie am Wochenende.

Mittwoch, 3. November 2010

John Wayne Gacy - Diggin' in the dirt

Manchmal fühle ich mich wie John Wayne Gacy. Nein, nicht verkappt männlich oder ephebophil (das Wort hab ich gerade neu gelernt). Vielmehr denke ich dabei an all die Leichen, die einst unter seinem Keller verscharrt lagen.
Wenn ich so auf mein kleines Leben zurückschau und dabei den Spaten der Erinnerung in manche Gedächtnisspalte schiebe, dann entdecke ich hier und da ebenso die ein oder andere, allerdings eher bildhafte Leiche. Manche fallen unter die Rubrik "Jugendsünde", wieder andere unter "Dummheit" und so einige tragen ganz banal die Bezeichnung "Oh man what the f***?". Jaha, Ihr würdet jetzt sicher gerne wissen, was Tante G bisher so getrieben hat, denn neugierig seid Ihr ja sowieso. Auf Anhieb fallen mir mindestens drei Dinge ein, deren blosse Erinnerung mir den Magen verkrampfen. Aber gut, ich war jung und für Finanzielles stets zu blöd. Okay, machen wir vier draus, von "Einfach peinlich" bis "Richtig bös", die ganze Bandbreite ist dabei. Ach verdammt, kaum denkt man dran, da kommen sie wie Zombies aus ihren Löchern gekrochen, all die peinlichen Erlebnisse, die man einst sorgfältig in Alufolie gewickelt in die hinterste Ecke des Hirns gestopft hat, in der irrisinnigen Hoffnung, Stanniol würde irgendwann verrotten - und der Inhalt mit dazu. Manch Folie wurde zwar in all den Jahren vom Unkraut des Alltags überwuchert, aber irgendwann kommt immer einer, der meint, er müsste mal im Dreck wühlen.
Was schreibt die da, höre ich Euch schon mosern, ja wir könnens nachvollziehen, aber wo verdammt bleiben ihre Geschichten? Sorry Leute, Ihr werdet verstehen, dass man manche Dämonen besser da lässt, wo sie ihr Zuhause haben. Nämlich unter den Dielen meiner imaginären Gruft.
Warum ich das hier alles schreibe (und dabei bei Euch vielleicht auch den ein oder anderen Gacy wecke)? Weil Leichen aus der Vergangenheit die beste Medizin dagegen sind, in Zukunft weitere zu produzieren. Gerade nämlich prasseln von vielen Seiten unzählige Dinge auf mich ein, und heidewitzka, manche schmerzen. Sogar richtig, richtig dolle. Je mehr es sind und je deutlicher sie auftreten, desto verwundbarer wird man früher oder später. So nach dem Motto, steter Tropfen höhlt den Stein. Hätte ich nicht aus den Leichen meiner Vergangenheit die ein oder andere Lehre gezogen, so würde ich mich - emotional wie ich nun einmal bin - umgehend verunsichern und in diese oder jene Richtung treiben lassen. Aber man lebt nicht, um zu kämpfen, sondern kämpft (manchmal), um zu leben. Ich kämpfe gerade gegen Vieles, sowohl in meinem Kopf als auch außerhalb. Und wenn das bedeutet, ich muss mich meinen Leichen stellen, nur um später das Richtige zu tun, dann muss ich dem Unvermeidlichen ins Auge blicken. Auch wenn ich lieber wegschauen würde.
Also dann Mr. Gacy, let's go diggin' in the dirt.

Montag, 1. November 2010

Ein Systemabsturz und seine Folgen

Zweimal im Jahr erwischt es mich. Da kann ich mittlerweile die Uhr nach stellen, verteilt auf beide Jahreshälften. Einmal zwischen Januar und Juni und einmal zwischen Juli und Dezember. Dann ist alles zu spät und meine Leber quittiert ihren Dienst. Letztes Wochenende wars mal wieder soweit und in charmanter Gesellschaft angeregt plaudernd (ja, genau Euch meine ich, die Herren) merkte ich gar nicht, wieviel Gin Tonics mir da die Kehle runter liefen. Wobei ich mich gar nicht so schlecht fühlte, selbst das Karusselfahren im Bett blieb aus. Die Rechnung bekam ich dann am selben Tag ab 11:30 Uhr, wobei sich auch das in Grenzen hielt. Schlimm wurds erst kurz nach 19 Uhr, aber keine Ahnung wieso. Da bin ich eben mal schnell gestorben. Die Azubis des Todes (zwinker) bräuchten dringend noch mal eine Einweisung, entweder ganz oder gar nicht, aber da fühlte ich mich wie ein Kaninchen im Versuchslabor, mit Elektroden im Gehirn und stetig unter Strom stehend.
Trotz allem - nein, ich sprach sie nicht, die magischen drei Worte. Weil ich mich eh viel zu gut kenne und einem leckeren Tropfen sowieso nicht widerstehen kann. Zumindest, solange keine medizinische Indikation vorliegt. Naja, eigentlich täts das bei mir schon, aber man kann ja nicht immer wie ne Betschwester leben.
Was mich gestern allerdings dazu bewogen hat, selbst diese zwei Abstürze im Jahr zu überdenken, waren nicht die körperlichen, sondern vielmehr die mentalen Folgen. Mit Promille ists ja wie mit einer Grippe, man wird angreifbar, verletzlich und kann kaum kontrollieren, wen oder was man zu sich durchlässt. Schutzschild aktivieren, Mr. Sulu! Doch zu stark war meine Enterprise beschädigt von den flüssigen Klingon Bird-of-Preys in meiner Blutbahn, so dass sie hundertfach auf mich hereinprasselten wie Regentropfen auf die Blätter einer Eiche, im Sekundentakt wechselnd und alle wild durcheinander schreiend.
scarde
Jeglicher Abwehrmechanismus ausser Kraft gesetzt tat ich das Einzige, was mir noch blieb, um dem ganzen Chaos zu entkommen - ich "programmierte" mich in den Schlaf. Ist wie eine Art Selbsthypnose, man könnte auch Minimeditation sagen. Wie auch immer, es half und ich hatte meine Ruhe.
Heute lautet mein Resümee, dass ich - trotz all dem Spass - schon lange nicht mehr so angreifbar war und mir das in Zukunft nicht noch einmal passieren darf. Nicht wegen der Miez, die mir am nächsten Tag weniger im Kopf, als viel mehr im Magen lag, sondern wegen der unbeabsichtigten Permeabilität.
So und nachdem nun auch diese Lektion gelernt ist, geht es jetzt erstmal in die Küche.
Bisserl was zu mampfen jagen.
Aber bitte schööön fettig.

huhnr

Samstag, 30. Oktober 2010

Die Sache mit dem Onlinedating

Gerade kam in den Nachrichten die Meldung, dass die junge Melanie (23) nach einem Internetdate tot im Wald gefunden wurde. Zur Leiche geführt hat die Polizei derjenige, der unter dem dringenden Tatverdacht steht - ein 27jähriger, der sich im Net als Frau ausgegeben hatte, offenbar um so Kontakte zu jungen Damen herzustellen...
Das Internet, es ist Segen und Fluch zugleich, denn wir sind ständig mit der ganzen Welt verbunden. Leider weiss man nie, wer am anderen PC vor dem Bildschirm sitzt, zu viele verkrachte Existenzen ziehen dort draussen ihre Kreise. Es fehlen Mimik, Gestik, Tonklang und man kann sich auf nichts verlassen ausser auf ein paar Buchstaben auf dem Screen.

Ich erinnere mich noch an die ein oder andere Geschichte, die mir vor Jahren beim Onlinedating passiert ist, lange bevor ich meinen Mann - damals war ich nebenbei bemerkt überhaupt nicht auf der Suche - überraschend auf einer Party traf.
Meine allererste Internetbekanntschaft kam witzigerweise aus meiner Gegend. Ich lernte ihn - man möge verzeihen, dass ich alle Namen überhaupt nicht mehr weiss - über den Chat eines überregionalen Radiosenders kennen und dachte mir damals in meiner grenzenlosen Naivität, ach ja wär schön, mal den Freundeskreis zu vergrößern. Ohne Hintergedanken, einfach nur mal schauen, wer da hinter den Zeilen steckt, las er sich doch wirklich nett. Am Treffpunkt angekommen war ich positiv überrascht - ein wirklich gut aussehender Kerl, sehr freundlich, allerdings null Manieren = Stoffel. Gut, ich wollt ihn ja nicht heiraten und so hatten wir einen netten Abend voller Klatsch und Tratsch. Wir verabschiedeten uns per Handschlag und sagten, wir würden in Kontakt bleiben. Was so aussah, dass ich einige Zeit später eine vorsichtige Anfrage seinerseits bekam, ob er - Achtung gleich kommts - meinen Arsch fotografieren dürfe. Nur für private Zwecke, gerne auch mit Abzügen für mich, wir könnten die Bilder ja in seinem Auto auf den teuren Ledersitzen schiessen, er wüsste da einen abgelegenen Parkplatz und ich dürfte auch bestimmen, welche Fotos er behalten dürfe...
Das muss ich jetzt nicht großartig kommentieren, oder? Und wenn Ihr fertig gelacht habt, dann erzähl ich Euch von dem unglaublich tollen Bundeswehrpiloten (nachweislich korrekte Angabe), der aussah wie eine Mischung aus Tom Cruise, Brad Pitt und George Clooney, hervorragende Manieren besaß, aber nur auf eine weitere Braut in irgendeinem Hafen scharf war und mich mit seinen Geschichten über die Meuchelei unschuldiger Häschen nicht gerade begeistern konnte.
Das Aus meines Onlinedatings spottete jeder Beschreibung und wäre die Geschichte nicht zu lustig, man müsste eigentlich weinen.
Ein Herr bat mich um ein Date, auf dem Bild sah man ihn auf seinem Rennrad, allerdings mit Sonnenbrille und Bandana. Als Arbeitgeber wies er das Deusche Luft- und Raumfahrtzentrum aus, das stellte sich später als wahr heraus, ehrlich war er also auf jeden Fall. Naja. So ehrlich, wie man eben mit Sonnenbrille und Bandana sein kann. Wir verabredeten uns bei mir in der damaligen Stadt um 15 Uhr auf einem Parkplatz. Zugegeben, ich war bisserl aufgeregt und etwas eher da. Um 14:55 Uhr bekam ich eine SMS, er stehe seit über 30 Minuten im Stau, es dauere noch. Hmpf. Das smste er also kurz vor der vereinbarten Zeit, hätte er mal eher dran denken können, schließlich wars Winter und saukalt. Ich also höflich "Kein Problem, ich friere und geh schon mal vor." Allerdings blieb ich dann auf dem Weg ins Cafe in der örtliche nBuchhandlung hängen, was ich ihm pflichtbewusst sofort per SMS mitteilte. Dort war ich so in die Leserei vertieft, dass ich gar nicht bemerkte, wie ER sich neben mich stellte. Als er mich ansprach und ich aufblickte, fiel mir vor Schreck fast das Buch aus der Hand. Hässlich ist noch geschmeichelt. Am schlimmsten waren neben den unfrisierten Haaren (er fuhr Auto, also keine Entschuldigung von wegen Helm) die Augen, welche nach Hausfrauenart links nach der Wäsche und rechts nach den Klammern schielten. Nein, scholt ich mich innerlich, Emily sei nicht so oberflächlich, vielleicht isser ja ein herzensguter Kerl, für Äusserlichkeiten kann man ja (fast) nichts. Wir also in mein Stammcafe, wo augenblicklich Murphy's Law in Kraft trat - noch nie, ich wiederhole, noch NIE waren in meinem Stammcafe so viele gutaussehende Single(!)-Männer anzutreffen gewesen. Welche Macht auch immer das veranlasst hatte, sie hat sich da ganz kräftig vor lachen in die Hose gemacht. Als wir eintraten, herrschte schlagartig Stille und ich erhaschte einige Männer, die erst mich und dann ihn musterten - und mich im Anschluss mit einer Mischung aus Mitleid und Entsetzen bedachten. Hinter ihren Augen konnte ich es rattern sehen - entweder ist der Kerl Millionär oder im Bett eine Granate sondersgleichen. So setzten wir uns also, ich bestellte irgendwas LatteMacchiatoHaselnussnochwasartiges und er einen Cappuccino. Da versuchte ich das Eis mit etwas Humor zu brechen:
"Oh, Du trinkst ja was ganz Exotisches."
Er sah mich verständnislos an:
"Wieso?"
Au weia. Hässlich und kein Humor. Nicht gut.
All das war schon Fakt genug, kein zweites Date einzugehen, doch der finale Todesstoß versetzte der Kerl sich selber, als er - Achtung jetzt kommts - eimnStoff(!)taschentuch hervorzog, um sich mit lautem Elefantengetröte zu schneuzen. Männer, damit Ihrs wisst, das geht mal sowas von gar nicht! Da konnte ich nicht länger stillhalten und sagte klipp und klar, dass ich mich von ihm verarscht fühlte, ich würde noch meinen Latte trinken und dann gehen, aus uns würde nie etwas werden. Lieber ein Ende mit Schrecken, na Sie wissen schon. Heftig, aber wenigstens ehrlich. Somit tranken wir schweigend aus und draussen konnte ich es mir nicht verkneifen, ihn herzlich zu verabschieden und den Rat mitzugeben, er solle beim nächsten Versuch mehr auf sich aufpassen, sind nämlich nicht alle da draussen so nett wie ich *hust*
DAS war der Punkt in meinem Leben, wo ich sagte - nie wieder Onlinedating. So ähnlich wie nie wieder Alkohol. Nur dass ich mich an den Vorsatz mit dem Dating fortan wirklich konsequent hielt.
Natürlich will ich nicht ungerecht sein, es gab auch das ein oder andere wirklich reizende Date, so dass festgehaten werden muss, es sind nicht alles Spinner da draussen. Ich erinnere mich zum Beispiel gerne an den wirklich putzigen Herzchirurgen, der mich gleich beim ersten Date ins Musical einlud. Gut, der Effekt wäre besser gewesen, wenn er mir nicht gesteckt hätte, dass er die Karten nicht gekauft, sondern geschenkt bekommen hätte und ohne Begleitung nicht hingegangen wäre, aber es war die Geste, die für mich zählte. Jede(r) meinte, Mensch Emily, das istn Fang, nimm den Doc, der schaut gut aus, ist sehr nett, nie daheim und sicher mit Asche aufm Konto gesegnet. Ja, entgegnete ich, aber was soll ich mit einem Mann, bei dem ich mir nicht sicher bin, ob er mich küssen will oder im nächsten Moment bittet, mal zu husten? Bitter, aber wahr, es hat einfach nicht gefunkt. Wäre ich dagegen auf Prestige und Kohle scharf gewesen, hätte ich schon längst bei anderen zuschlagen können. Leider kickte sich der gute Doc dann selber ins Aus, als er mir berichtete, er wolle mehr in die Forschung und fände es toll, an Ratten herumzschnippeln. Öhm. Okay, dann mal viel Spaß dabei, da musste ich weg.

Was ich als Frau auf jeden Fall aus diesen Geschichten gelernt habe, sind die goldenen Regeln des Onlinedatings:
1) Treffe Dich an öffentlichen Orten zu normalen Arbeitszeiten (also, wenns hell ist an gut frequentierten Plätzen)
2) Gebe nie Deinen Nachnamen oder gar Deine Adresse heraus
3) Lass den Mann zu Dir in die Stadt kommen, sollte er von anderswo kommen
4) Wenns nicht passt, dann sagt es sofort und vergeudet nicht Eure und seine Zeit
5) Habt immer ein Back Up, das Euch erlösen kann (Notruf auf der Toilette usw)
6) Habt immer seinen vollen Namen und seine Telefonnummer bei der Familie oder Freunden hinterlegt
7) Meldet Euch während dem Date kurz bei Euren Back Ups und lasst sie wissen, was Sache ist
8) Erzählt nicht zu viele Details von Euch und seid nach dem Date am besten noch mit ner Freundin verabredet
9) Kommuniziert das, damit der Typ weiss, es bringt nichts, Euch nach dem Date eventuell zu verfolgen

All das sind natürlich nur meine Erfahrungen und es gibt sicher noch die ein oder andere Vorsichtsmassnahme mehr. Fakt ist, wenn das Schicksal Euch vorbestimmt hat, diesen oder jenen Weg gehen zu müssen, dann nutzen Euch alle BackUps der Welt nichts, dann erwischt es Euch. Punkt. So wie die arme Melanie. Sie wollte nur ein nettes Mädel kennenlernen, mit dem man tratschen, lachen und ab und zu mal ins Kino gehen kann. Was sie traf, war ein Kerl, der sich als Frau ausgegeben hatte, mit dem sie sich auf einem öffentlichen Parkplatz traf und der sie später ermordete.

Es gibt kein Patentrezept, soviel ist klar. Und irgendwie haben, wenn ich so zurück denke, trotz aller Abgespacedheit all diese Dates doch auf die ein oder andere Weise Spaß gemacht.
Seid einfach nur ganz besonders vorsichtig.
Okay?